Göteborg – Cortison-Augentropfen können den Verlauf einer schweren Frühgeborenen-Retinopathie (ROP) abmildern und den Bedarf an invasiven Behandlungen senken. Das deutet die weltweit erste randomisierte klinische Studie zu diesem Ansatz an. Die Ergebnisse der schwedischen Multicenter-Studie DROPROP erschienen in JAMA Pediatrics (DOI: 10.1001/jamapediatrics.2026.3247).
ROP entsteht, wenn sich die Netzhautgefäße extrem Frühgeborener krankhaft entwickeln. In schweren Fällen sind bislang Laserbehandlungen oder Injektionen ins Auge nötig, um Erblindung zu verhindern. Weltweit erblinden jährlich rund 35.000 Kinder an den Folgen der Erkrankung.
An der Studie nahmen 100 Kinder teil, die vor der 30. Schwangerschaftswoche geboren worden waren und eine schwere, aber noch nicht behandlungsbedürftige ROP aufwiesen. Sie erhielten randomisiert entweder Dexamethason-Augentropfen oder Placebo. In der Dexamethason-Gruppe entwickelten 20 Prozent eine behandlungsbedürftige ROP, in der Placebo-Gruppe 38 Prozent. Das entspricht einer relativen Risikoreduktion von 47 Prozent. Der Unterschied erreichte keine statistische Signifikanz, zeigte jedoch einen klinisch relevanten Effekt. Zwischen den Gruppen traten keine klinisch bedeutsamen Unterschiede bei Komplikationen auf; deutliche hormonelle oder metabolische Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.
Die Behandlung ist einfach, kostengünstig und nicht-invasiv. Die Forschenden planen nun Langzeitnachuntersuchungen zu Sehentwicklung und möglichen Spätfolgen. Besonders in Regionen mit begrenztem Zugang zu spezialisierter Versorgung könnte die Tropfentherapie künftig einen wichtigen Beitrag leisten. Die Studie wurde vom Schwedischen Forschungsrat gefördert. Leitung hatte Ann Hellström von der Universität Göteborg und dem Sahlgrenska University Hospital.
