Eine Übersichtsarbeit fasst Fortschritte der Glykomik zusammen und zeigt, wie veränderte Zuckerstrukturen an Proteinen und Lipiden mit Erkrankungen zusammenhängen. Die Arbeit erschien in Frontiers of Medicine (DOI: 10.1007/s11684-026-1250-y).
Glykane zählen zu den häufigsten und vielfältigsten Biomolekülen. Sie beeinflussen Proteinfaltung, Stabilität, Transport und Funktion sowie Zell-Zell-Kommunikation und Immunerkennung. Veränderungen der Glykosylierungsmuster sind bei nahezu allen großen Krankheitsgruppen beschrieben – von Krebs über Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis zu Autoimmunleiden.
Technologische Fortschritte, vor allem massenspektrometrische Verfahren, ermöglichen inzwischen großangelegte Glykomik-Studien. Kohortenuntersuchungen zeigen auffällige Zusammenhänge: veränderte Glykosylierung als Kennzeichen von Krebs, bestimmte IgG-Glykosylierungsmuster als Biomarker für kardiovaskuläres Risiko sowie Glykosylierungsveränderungen, die dem klinischen Ausbruch der rheumatoiden Arthritis vorausgehen. Zwillingsstudien belegen eine substanzielle Erblichkeit vieler Glykan-Merkmale; genomweite Assoziationsstudien haben spezifische genetische Loci identifiziert.
Translationales Potenzial liegt in der früheren Krankheitserkennung, der Prognose und der Therapieauswahl. Mehrere glykanbasierte Tests sind bereits für die Krebsdiagnostik und -überwachung zugelassen. Therapeutisches Glykoengineering wird genutzt, um die Glykosylierung von Antikörper-Therapeutika zu optimieren. Künftige Ansätze umfassen die Integration mit anderen Omics-Ebenen, Point-of-Care-Nachweisverfahren, die Ausweitung von Kohorten auf diverse Bevölkerungen sowie gezielte Glykom-Editierung.
