New York – Bei Erwachsenen mit schwerer Depression ist die Bildung neuer Nervenzellen im Hippocampus gestört. Das zeigt eine Studie von Forschenden der Columbia University und des New York State Psychiatric Institute, die am 21. August in Nature Medicine veröffentlicht wurde (DOI: 10.1038/s41591-026-04571-8).
Das Team um Maura Dupont untersuchte nahezu eine halbe Million Gehirnzellen von verstorbenen Patienten mit Depression und Kontrollpersonen. Mit modernen Einzelzell-Analysen erfassten sie die Aktivität sämtlicher Gene und Veränderungen an Proteinen.
Die Ergebnisse belegen erstmals, dass die adulte Neurogenese bei Depression stockt. Gleichzeitig wiesen der gesamte Hippocampus-Schaltkreis und insbesondere der trisynaptische Kreis, der für die Bildung emotionaler Erinnerungen zuständig ist, molekulare Veränderungen auf. Dazu gehörten Störungen bei der Bildung neuer Verbindungen zwischen Nervenzellen, der Energieversorgung und dem Transport innerhalb der Zellen sowie Anzeichen von Entzündung und zellulärem Stress.
Ohne die Fähigkeit, neue Nervenzellen zu bilden, könnten Betroffene weniger resilient auf Umweltveränderungen und Stress reagieren. Die Forschenden sehen in der Wiederherstellung der Neurogenese einen möglichen therapeutischen Ansatz. Die Vielzahl der beobachteten Veränderungen deutet zudem darauf hin, dass Depression molekular unterschiedliche Formen annehmen kann. Weitere Studien sollen helfen, die Erkrankung künftig gezielter zu klassifizieren und zu behandeln.
