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Causa Hanning: Die unvermeidliche Auflösung des BND

Nach der Affäre Hanning bleibt für den BND nicht ein Reformbedarf. Es bleibt ein Auflösungsbefehl.

Vlad Georgescu kommentiert

Am 6. Oktober 2026 nahm das Bundeskriminalamt August Hanning in Nordwalde fest. Der 80-Jährige leitete den Bundesnachrichtendienst von 1998 bis 2005 und war danach Staatssekretär im Innenministerium. Parallel griffen die Ermittler in Bayern Manfred D., Hannings früheren Büroleiter, der diese Funktion auch unter den Nachfolgern ausübte und bis März 2026 im Dienst war. Seit dem 7. Oktober sitzt Hanning in Untersuchungshaft. Der Generalbundesanwalt ermittelt wegen landesverräterischer Ausspähung, des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen, versuchten Landesverrats und geheimdienstlicher Agententätigkeit; gegen D. wegen Beihilfe. Die Unschuldsvermutung gilt. Sie rettet die Behörde nicht.

Nach Darstellung der Bundesanwaltschaft sollen die beiden spätestens im Frühjahr 2010 vereinbart haben, dass D. seinem früheren Chef gegen Geld fortlaufend interne Erkenntnisse liefert. Bis Juni 2022, zwölf Jahre lang, nahezu 2000 Dokumente, darunter zahlreiche Verschlusssachen der Leitungsebene und Briefings für die nachrichtendienstliche Lage im Kanzleramt. Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR berichten von sensiblen Lageeinschätzungen, als geheim eingestuftem Material ausländischer Partnerdienste, angeblich auch Papieren zum iranischen Atomprogramm und zum russischen Militär. Hanning soll das Material für seine private Beratung verwertet haben. In mindestens einem Fall, so der Spiegel, eine Analyse für einen Mitarbeiter des aserbaidschanischen Geheimdienstes. Die Spur führt nach den Recherchen nicht nach Moskau. Das macht den Vorgang nicht kleiner. Es macht ihn ordinärer: Staatsgeheimnisse als Honorarbasis.

Der Dienst hat das Leck nicht gefunden. Gefunden haben es im September 2025 Hamburger Ermittler, bei einer Durchsuchung im Verfahren um die gescheiterte Kindesentführung im Fall Christina Block. Ein Zufallsfund in einem anderen Komplex. Zwölf Jahre Abfluss aus dem Leitungsstab, und die eigene Spionageabwehr bemerkt nichts, bis eine Landesbehörde wegen einer Entführung die Schubladen öffnet.

D. war kein Randmitarbeiter. Er saß im Büro des Präsidenten, dann im Innenministerium an Hannings Seite, dann wieder im Leitungsstab, unter mehreren Chefs, mit Zugriff auf das, was die Hausspitze weiß und was sie dem Kanzleramt vorlegt. Dass genau diese Stelle über Jahre gegen Geld gelaufen sein soll, ist keine Charakterfrage eines Achtzigjährigen. Es ist die Beschreibung einer Behörde, deren innerer Ring sich für die Kontrolle hält.

Der politische Reflex war am selben Tag fertig. Karenzzeiten. Schärfere Regeln für Ehemalige. Mehr Befugnisse für den Dienst, der gerade gezeigt hat, dass er seine Akten nicht bei sich behalten kann. Eine Karenzzeit hätte den Büroleiter nicht gestoppt, der noch im Amt war. Eine neue Aufsicht hätte den Abfluss nicht bemerkt, den die bestehende nicht bemerkte. Das Parlamentarische Kontrollgremium erfährt von solchen Vorgängen, wenn die Haftbefehle schon geschrieben sind.

Es ist auch nicht der erste Riss. 2022 stand ein Mitarbeiter im Verdacht, Informationen an einen russischen Dienst verkauft zu haben; der Prozess vor dem Kammergericht läuft. Die Selector-Affäre hat gezeigt, wie der Dienst mit Partnern und dem eigenen Parlament umgeht, wenn niemand hinsieht. Hanning selbst war nach dem Ausscheiden im Beratungsgeschäft, trat 2013 in London als Zeuge für Oleg Deripaska auf, saß im Umfeld der lettischen PNB Banka. Nichts davon ist der aktuelle Vorwurf. Alles davon beschreibt das Milieu, in dem ein Ex-Präsident geheime Lagebilder als Betriebskapital behandeln konnte.

Ein Nachrichtendienst verkauft eine einzige Ware: dass er schweigen kann und dass er sieht, was andere nicht sehen. Beides ist hier an der Stelle beschädigt, an der es nicht delegierbar ist. Partner, deren Material in den abgeflossenen Beständen gewesen sein soll, werden die Kooperation neu bepreisen. Das Kanzleramt kann Vorlagen nicht mehr trauen, die über Jahre beim Pensionär gelandet sein sollen. Die Öffentlichkeit, der man Geheimhaltung als Preis der Sicherheit verkauft, sieht einen Leitungsstab, der gegen Honorar liefert.

Daraus folgt nicht die nächste Kommission. Daraus folgt die Auflösung. Nicht als Strafe, als organisatorische Konsequenz. Ein Dienst, der zwölf Jahre lang seine eigene Spitze nicht gegen seine eigene Spitze sichern kann, hat keinen Anspruch mehr auf den Fortbestand seiner Struktur, seiner Kultur und seiner Sonderrechte. Die Akten gehen an eine Abwicklungsbehörde unter parlamentarischer Federführung, nicht an dieselben Referate, die sie nicht gehütet haben. Laufende Operationen werden einzeln geprüft und befristet. Was an ausländischer Aufklärung unverzichtbar ist, wird neu aufgebaut: klein, mit harten Exit-Regeln, mit einer Spionageabwehr, die nicht dem Präsidenten untersteht, dessen Büro sie bewachen soll. Personal aus dem Leitungsstab der Abflussjahre geht nicht in die Nachfolge.

Wer einwendet, man könne einen Auslandsnachrichtendienst nicht abschaffen, solange andere welche haben, beschreibt ein Bedürfnis, keine Behörde. Das Bedürfnis überlebt den BND. Der BND hat es nicht bedient, als es darauf ankam. Eine Institution, deren früherer Präsident so endet, ist nicht reparaturfähig. Sie ist aufgebraucht.

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The Editors in Chief of labnews.ai are Marita Vollborn and Vlad Georgescu. They are bestselling authors, science writers and science journalists since 1994.More details about their writing on X-Press Journalistenbüro (https://xpress-journalisten.com).More Info on Wikipedia:About Marita: https://de.wikipedia.org/wiki/Marita_Vollborn About Vlad: https://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_Georgescu
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