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Cholesterin-Heimtests aus Drogerie und Apotheke: Labormedizinerin warnt vor Fallstricken

Prof. Julie Schanz (Universitätsmedizin Göttingen) erklärt, warum viele Selbsttests aus dem Handel unzuverlässig sein können. Präanalytische Fehler, fehlende Qualitätskontrollen und die alleinige Messung des Gesamtcholesterins führen häufig zu irreführenden Ergebnissen – und belasten das Gesundheitssystem zusätzlich.

Göttingen/Berlin – Immer mehr Drogerien und Apotheken bieten labormedizinische Selbsttests an, darunter Cholesterin-Heimtests für zu Hause. Prof. Julie Schanz von der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) sieht darin erhebliche Fallstricke. Entscheidend sei zunächst die richtige Indikation. Für Laien sei oft schwer einzuschätzen, welche Laborparameter im Einzelfall sinnvoll seien. Eine ärztliche Beurteilung sei in der Regel unverzichtbar – sowohl bei der Auswahl der Werte als auch bei der Einordnung auffälliger Ergebnisse.

Bei der Bestimmung von Blutfetten wie Cholesterin müssten präanalytische Faktoren berücksichtigt werden, die die Ergebnisse erheblich verfälschen könnten. Dazu gehörten starkes Quetschen des Fingers, das die Probe verdünne, sowie Wasser, Hautrückstände oder noch feuchtes Desinfektionsmittel. Auch eine falsche Blutmenge oder ein verzögertes Auftragen des Blutes könnten den Messwert verändern. Zudem beeinflussten Erkrankungen oder eine Schwangerschaft die Werte mitunter vorübergehend, sodass eine Messung in dieser Phase nicht unbedingt den langfristigen Ausgangswert widerspiegele.

Viele einfache Selbsttests erfassten zudem nur das Gesamtcholesterin. LDL, HDL und Triglyzeride blieben ebenso unberücksichtigt wie Alter, Blutdruck, Rauchen, Diabetes und Vorerkrankungen. Ein normaler Gesamtwert schließe daher ein behandlungsbedürftiges kardiovaskuläres Risiko nicht aus. Auch teurere Heim-Messgeräte änderten nichts an diesen Bedenken, betonte Schanz. Fehler bei der Blutentnahme und andere präanalytische Einflüsse könnten das Ergebnis unabhängig von der Gerätequalität verfälschen.

In professionellen Laboren sicherten gesetzliche Vorgaben und zahlreiche Qualitätskontrollen die Zuverlässigkeit der Messungen. Maßgeblich sei dabei insbesondere die Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen (Rili-BÄK). Einen solchen Standard könne ein Heimmessgerät nicht erfüllen.

Schanz warnte zudem vor einer möglichen doppelten Belastung des Gesundheitssystems. Ein deutlich auffälliger Wert führe meist zu einem Arztbesuch, bei dem in der Regel eine erneute Laboruntersuchung veranlasst werde. Gleichzeitig gebe es jedoch auch sinnvolle und etablierte Heimtests – etwa die Blutzuckerselbstmessung bei Diabetes oder die Kontrolle der Gerinnungswerte bei der Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten. Voraussetzung seien stets eine ärztliche Begleitung sowie eine vorherige Einweisung und Schulung.

Quelle: Interview mit Prof. Julie Schanz, MedLabPortal

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The Editors in Chief of labnews.ai are Marita Vollborn and Vlad Georgescu. They are bestselling authors, science writers and science journalists since 1994.More details about their writing on X-Press Journalistenbüro (https://xpress-journalisten.com).More Info on Wikipedia:About Marita: https://de.wikipedia.org/wiki/Marita_Vollborn About Vlad: https://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_Georgescu
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