Ares im Schatten der Börsen: Marita Vollborns Bronzefigur als Chiffre der Gegenwart
In den sonnendurchfluteten Hügeln der Toskana, wo einst Etrusker und Renaissance-Humanisten nach dem Maß des Menschen suchten, wird im August 2026 auf der Chianciano Biennale eine kompakte Bronzeskulptur stehen, die dem Betrachter den Atem stocken lassen kann. Marita Vollborns „ARES“, 2015 entstanden und in limitierter Auflage gegossen, misst nur etwa 34 × 29 × 30 Zentimeter. Doch in dieser verdichteten Form verdichtet sich eine moralische und politische Wucht, die weit über das Format hinausreicht. Der griechische Kriegsgott erscheint hier nicht als heroische Idealgestalt der klassischen Antike, sondern als rohe, unerbittliche Präsenz: blutdürstig, ohne Gnade, ohne Maß, unersättlich nach neuen Opfern. Vollborn hat den Gott des Massakers und des Blutbades nicht verklärt, sondern als Spiegel menschlicher Ambivalenz freigelegt – jener Zwiespältigkeit von Macht und Schuld, Stärke und Fragilität, die ihr gesamtes Projekt „Sinn und Scherben“ seit 2010 durchzieht. Die Künstlerin, 1965…



