Klosterneuburg – Nach einer Ketamin-Narkose bilden Mikroglia im Gehirn weiblicher Mäuse längere Kontakte zu Nervenzellen und unterstützen so synaptische Umbauprozesse. Bei männlichen Mäusen oder Tieren ohne Mikroglia tritt dieser Mechanismus nicht auf. Das zeigt eine Studie des Institute of Science and Technology Austria (ISTA), die in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht wurde (DOI: 10.1126/sciadv.adz6517).
Ketamin dämpft die Aktivität von Nervenzellen und beeinflusst Schmerzempfindung sowie Gedächtnis. In der Aufwachphase müssen neuronale Verbindungen wiederhergestellt werden. Die Forschenden um Alessandro Venturino und Professorin Sandra Siegert beobachteten diesen Prozess mit fluoreszenzmarkierten Zellen durch ein Schädelfenster bei lebenden Mäusen. Während der Erholung steigen die Corticosteron-Spiegel. Bei weiblichen Tieren aktiviert das Stresshormon in den Mikroglia gezielt das Gen Fkbp5, das für das Protein FKBP51 kodiert. Dadurch werden die Mikroglia-Neuron-Kontakte und die damit verbundene Plastizität ausgelöst.
Experimente mit Mäusen ohne Mikroglia sowie mit Tieren, denen die Nebennieren entfernt worden waren, bestätigten die zentrale Rolle von Corticosteron und Mikroglia. Die Ergebnisse deuten auf geschlechtsspezifische Unterschiede in der Narkose-Erholung hin. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass Medikamente nicht pauschal als geschlechtsneutral angenommen werden dürfen. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem Allen Institute in Seattle durchgeführt und basiert auf Mausmodellen; eine direkte Übertragung auf den Menschen ist noch nicht belegt.
