Die MRT ist das zentrale bildgebende Verfahren bei MS. Sie macht Entzündungsherde und Folgeschäden im Gehirn und Rückenmark sichtbar, lange bevor sich Behinderung klinisch messen lässt. Diagnose, Verlaufskontrolle und Therapiebeurteilung stützen sich deshalb wesentlich auf MRT-Befunde – ergänzt um Klinik und teils Laborwerte wie die Neurofilament-Leichtkette.
Was die Aufnahmen zeigen
Typisch sind multiple Läsionen in charakteristischer Lage: periventrikulär, juxtakortikal/kortikal, infratentoriell und im Rückenmark. In T2- und FLAIR-Sequenzen erscheinen sie hell. Kontrastmittel (Gadolinium) färbt frische, blut-hirnschranken-gestörte Herde an und gilt als Zeichen akuter Entzündung. Neue oder größer werdende T2-Läsionen ohne Kontrastaufnahme belegen ebenfalls Krankheitsaktivität, oft über einen längeren Zeitraum.
Neben Herden erfasst die MRT schleichende Veränderungen: Hirnvolumenverlust (Atrophie), langsames Wachsen bestehender Läsionen und Schäden im scheinbar normalen Gewebe. Diese Aspekte hängen enger mit langfristiger Behinderung zusammen als einzelne Schübe.
Rolle in Diagnose und Therapie
Die McDonald-Kriterien nutzen räumliche und zeitliche Streuung der Läsionen (verschiedene Orte, neue Herde im Verlauf oder gleichzeitig kontrastmittelaufnehmende und ältere Läsionen). Nach Therapiebeginn dient die MRT als früher Wirksamkeitsindikator: weniger neue T2-Herde und weniger Gadolinium-Läsionen sprechen für unterdrückte Entzündung.
Genau das zeigt die aktuelle Beobachtungsstudie von Piehl und Kollegen: B-Zell-depletierende Ersttherapien waren nach zwei Jahren mit etwas geringerem Läsionsvolumen assoziiert als orale Plattformmittel; die Behinderungsscores unterschieden sich in diesem Zeitraum nicht. Entzündungsaktivität im MRT reagiert oft schneller als der EDSS, der grobe klinische Funktionen abbildet und sich kurzfristig wenig ändert.
Grenzen
Nicht jede Läsion verursacht Symptome. Umgekehrt kann Progression ohne neue Herde auftreten (PIRA). Die MRT-Technik, Feldstärke, Sequenzprotokoll und Auswertesoftware beeinflussen Volumenzahlen; Vergleiche gelingen am besten im selben Zentrum mit gleichem Protokoll. Kontrastmittel wird zurückhaltender eingesetzt als früher, weil T2-Verlauf und Klinik oft ausreichen.
Die MRT ersetzt weder die klinische Untersuchung noch erklärt sie allein den individuellen Verlauf. Zusammen mit Schubanamnese und optional NfL bildet sie aber das Rückgrat der Aktivitätsbeurteilung – und damit der Entscheidung, ob eine Therapie entzündungsbezogen „greift“.
