Tuberkulose als systemisches Problem
Trotz Fortschritten bei Diagnostik und Therapie bleibt Tuberkulose (TB) weltweit die tödlichste Infektionskrankheit. Forschende der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) plädieren in einer neuen Studie für einen systemischen Ansatz, der TB nicht nur als medizinisches, sondern als Folge umfassenderer gesellschaftlicher und struktureller Kräfte betrachtet. Die Ergebnisse erschienen in The Lancet Global Health. Das Forschungsteam um Dr. Mikaela Coleman und Prof. Katharina Kranzer (Institut für Infektions- und Tropenmedizin, LMU Klinikum) führt den Begriff der „tuberkulogenen Umgebung“ ein. Darunter verstehen sie das komplexe Zusammenspiel von Armut, unzureichenden Wohnverhältnissen, mangelndem Zugang zu nahrhaften Lebensmitteln, schlecht belüfteten öffentlichen Räumen und unterfinanzierten Gesundheitssystemen – Faktoren, die bestimmte Gemeinschaften einem hohen TB-Risiko aussetzen, selbst wenn medizinische Versorgung grundsätzlich verfügbar ist. Die Autorinnen und Autoren kartieren die beteiligten Akteure und Kräfte über Sektoren, Institutionen, globale Märkte, kommerzielle Interessen und Umweltbedingungen hinweg. Sie kritisieren, dass aktuelle Bekämpfungsstrategien zu viel Verantwortung…


