Houston – Die gemeldete Häufigkeit der Legionärskrankheit in den USA ist nach einer ökologischen Analyse von 1999 bis 2021 stark gestiegen. Autor Xiang Y. Han führt das vor allem auf jahrzehntelange Erwärmung, höhere Niederschläge und Exposition gegenüber bodenbürtigen Legionellen im Straßenverkehr zurück. Die Arbeit erschien in „PLOS Global Public Health“ (DOI: 10.1371/journal.pgph.0007077). EurekAlert berichtete am 9. September 2026.
Die Legionärskrankheit ist eine schwere Lungenentzündung nach Einatmen von Aerosolen mit Legionella. Die altersbereinigte Inzidenz stieg vor der Covid-19-Pandemie exponentiell um das 6,6-Fache: von 0,40 Fällen je 100.000 Einwohner 1999 auf 2,37 im Jahr 2019, mit einem Gipfel von 2,69 im Jahr 2018. 2020 sank sie auf 1,67, 2021 auf 2,21 – parallel zum Rückgang der gefahrenen Kraftfahrzeugkilometer in der Pandemie.
Han nutzte öffentlich zugängliche CDC-Meldedaten, Klima- und UVB-Reihen sowie Verkehrsstatistiken. In Regressionen korrelierte die Jahresinzidenz eng mit der kumulierten Temperaturanomalie, der Jahresniederschlagsmenge und den Fahrzeugkilometern. Klimaauswertungen von 1895 bis 2021 zeigten in den jüngeren Jahrzehnten deutlich wärmere und feuchtere Bedingungen als in der Vergleichsperiode 1895–1994. 2018 und 2019 bildete sich ein saisonales Plateau der Fälle von Juni bis Oktober.
Der Autor sieht in der Kombination aus Verkehr, Niederschlag und abgeschwächter Sonneneinstrahlung den wichtigsten Expositionsweg für viele sporadische Infektionen: Feuchte Straßen und Verkehrsaerosole könnten erdbürtige Legionellen aufwirbeln. Die Muster zeigten sich in Bundesstaaten mit sehr unterschiedlichem Klima.
Die Studie ist korrelativ. Sie belegt keinen direkten ursächlichen Nachweis einzelner Faktoren und kann bessere Diagnostik, eine ältere Bevölkerung oder Wassersysteme in Gebäuden nicht vollständig von Klima- und Verkehrseffekten trennen. Meldeverzögerungen und Datenlücken in einzelnen Jahren und Staaten schränken die Genauigkeit ein. Interessenkonflikte und Drittmittel gab der Autor nicht an.
