Eine norwegische Studie deutet darauf hin, dass die Einbeziehung von Pferden in die Psychotherapie nicht nur Patienten, sondern auch Therapeuten zugutekommen kann. Die Tiere sollen Therapeuten helfen, Emotionen besser zu regulieren und Burnout vorzubeugen.
Hintergrund
In der psychotherapeutischen Arbeit sind hohe emotionale Belastungen und ein erhöhtes Burnout-Risiko weit verbreitet. Besonders in Einzelpraxen fehlen oft Teamstrukturen und kollegiale Unterstützung. Equine-assistierte Psychotherapie, bei der Pferde aktiv in den therapeutischen Prozess einbezogen werden, wird seit einiger Zeit in verschiedenen Settings eingesetzt. Bisherige Studien haben vor allem positive Effekte für Patienten beschrieben.
Ergebnisse der Studie
In der qualitativen Untersuchung wurden zehn erfahrene Psychiater und Psychologen befragt, die sowohl in der herkömmlichen Psychotherapie als auch in der pferdegestützten Arbeit tätig sind. Die Teilnehmenden berichteten, dass Pferde eine unterstützende Rolle für sie selbst übernehmen. Die Tiere halfen ihnen, in schwierigen Therapiesituationen gelassener zu bleiben und eigene Emotionen besser zu regulieren. Durch die Anwesenheit der Pferde entstand nach Einschätzung der Therapeuten eine entspanntere und sicherere Atmosphäre als in klassischen Therapiesettings.
Bedeutung für Therapeuten
Die Forscherinnen und Forscher sehen in der pferdegestützten Arbeit einen möglichen Beitrag zum Schutz vor beruflicher Erschöpfung. Pferde als Herdentiere und Fluchttiere reagieren sensibel auf zwischenmenschliche Dynamiken und können Therapeuten nonverbale Rückmeldungen geben. Dies kann die emotionale Belastung während der Sitzungen verringern und langfristig zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit beitragen.
Ausblick
Die Studie liefert Hinweise darauf, dass tiergestützte Ansätze nicht nur patientenorientiert, sondern auch therapeutenunterstützend wirken können. Weitere Forschung ist notwendig, um die Ergebnisse zu bestätigen und die Voraussetzungen für einen breiteren Einsatz solcher Methoden zu klären. Die Autorinnen und Autoren betonen zudem den Bedarf an besseren strukturellen Rahmenbedingungen in der psychotherapeutischen Versorgung.
FAQ
Was wurde untersucht?
Die Gründe, warum Therapeuten Pferde in die Psychotherapie einbeziehen, und welche Auswirkungen dies auf sie selbst hat.
Welchen Nutzen haben Therapeuten davon?
Die befragten Therapeuten berichteten von besserer emotionaler Regulation und einer geringeren Burnout-Gefahr durch die Arbeit mit Pferden.
Warum reagieren Pferde sensibel in der Therapie?
Als Herdentiere und Fluchttiere nehmen sie nonverbale Signale und zwischenmenschliche Spannungen besonders wahr.
Ist pferdegestützte Therapie bereits weit verbreitet?
Sie wird in einigen Kliniken und Praxen angeboten, ist jedoch ressourcenintensiv und nicht überall verfügbar.
Quelle
10.1186/s12906-025-05185-2
Kogstad, N., Christiansen, S.E., Ulberg, R. et al. Therapists’ reasons for including horses into psychotherapy, a qualitative study. BMC Complement Med Ther 26, 20 (2026). https://doi.org/10.1186/s12906-025-05185-2

