Hamburg – Am Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg hat Dr. Sina Neyazi eine neue Arbeitsgruppe aufgebaut, die den Stoffwechsel aggressiver Hirntumoren bei Kindern untersucht. Ziel ist es, metabolische Schwachstellen dieser Tumoren zu identifizieren und daraus neue Therapieansätze zu entwickeln.
Pädiatrische hochgradige Gliome zählen zu den schwer behandelbaren Krebserkrankungen im Kindesalter. Obwohl molekulare Veränderungen dieser Tumoren zunehmend verstanden werden, gibt es bisher nur wenige wirksame Behandlungsoptionen.
Neyazi konzentriert sich darauf, wie die Tumorzellen ihren Stoffwechsel umprogrammieren, um Energie und Nährstoffe für ihr Wachstum zu gewinnen. Die Arbeitsgruppe verfolgt drei Ansätze: Zunächst soll eine Art Stoffwechsel-Landkarte der Tumoren erstellt werden, indem Genaktivität und Stoffwechselprodukte analysiert werden. Im zweiten Schritt werden mit CRISPR-Technologie einzelne Stoffwechselgene gezielt ausgeschaltet, um zu prüfen, welche Gene für das Tumorwachstum essenziell sind. Im dritten Schritt sollen bereits zugelassene Wirkstoffe aus anderen Indikationen auf ihre Wirkung gegen spezifische Stoffwechselprozesse in den Tumorzellen getestet werden.
„Hirntumoren bei Kindern sind ein Bereich, in dem wir noch sehr viel erreichen müssen“, sagt Neyazi. „Mein Ziel ist es, diese aggressiven Tumoren besser zu verstehen – und daraus Grundlagen für wirksamere und individuellere Therapien zu entwickeln.“
Sina Neyazi ist Kinderärztin in der Facharztweiterbildung mit Schwerpunkt pädiatrischer Onkologie. Sie hat zuvor zu Leukämien und Hirntumoren bei Kindern geforscht und ihre wissenschaftliche Ausbildung am Dana-Farber Cancer Institute der Harvard University vertieft.
Die neue Arbeitsgruppe soll die translationale Forschung zu pädiatrischen Hirntumoren am Kinderkrebs-Zentrum Hamburg stärken. Wissenschaftlicher Leiter Prof. Ulrich Schüller bezeichnete die Untersuchung des Tumorstoffwechsels als hochrelevant und bisher am Institut noch nicht systematisch bearbeitet.
