Sendai – Japan muss sein Gesundheitssystem und seine globale Gesundheitsstrategie bis 2040 grundlegend umgestalten, um die Folgen der demografischen Entwicklung bewältigen zu können. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Policy-Review-Papiere, die ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Tohoku University am 16. Juli 2026 in der Zeitschrift The Lancet Regional Health – Western Pacific veröffentlicht hat.
Die Autorinnen und Autoren sehen die bisherigen Erfolge Japans im Bereich der gesunden Langlebigkeit und der universellen Gesundheitsversorgung zwar als Erfolg an, warnen jedoch vor einer „institutionellen Stagnation“. Bis 2040 wird mehr als jeder dritte Mensch in Japan 65 Jahre oder älter sein. Die Versorgungsbedarfe verschieben sich zunehmend von kurzfristigen Krankenhausbehandlungen hin zu langfristiger Unterstützung bei chronischen Erkrankungen, Demenz und Gebrechlichkeit.
Die Studien fordern einen Wechsel von einem krankenhaus- und leistungsvolumenorientierten System hin zu einem Ansatz, der stärker auf Lebensqualität, Gesundheitsergebnisse und gemeindenahe Versorgung ausgerichtet ist. Dazu gehören eine bessere Verknüpfung von medizinischen, pflegerischen und sozialen Daten, unabhängige wissenschaftliche Beratung, eine systematischere Evaluation von Politikmaßnahmen sowie eine stärkere Berücksichtigung gesellschaftlicher Folgekosten wie Belastungen für Familien.
Im Bereich der globalen Gesundheitspolitik diagnostizieren die Forschenden eine „strategische Trägheit“. Japan solle Gesundheit nicht nur als Entwicklungshilfe betrachten, sondern zu einem zentralen Element einer „Human Security Diplomacy“ machen. Dabei gehe es darum, Leben, Gesundheit und Würde der Menschen zu schützen und gleichzeitig regionale Stabilität und wirtschaftliche Sicherheit zu stärken.
Die Studien empfehlen drei zentrale Veränderungen: einen Übergang von krankenhauszentrierter zu gemeindenaher Versorgung, von Entwicklungshilfe zu einer auf menschliche Sicherheit ausgerichteten Diplomatie sowie von einseitigem Wissenstransfer zu gegenseitigem Lernen mit Partnern in der Region.
„Die zentrale Frage ist nicht, wie Japan das alte System schützen kann, sondern wie es den gesellschaftlichen Vertrag hinter der universellen Gesundheitsversorgung neu gestalten kann“, sagt Shuhei Nomura von der Tohoku University.
