Eine internationale Genomstudie hat elf unabhängige Risikoregionen im Erbgut identifiziert, die mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) in Verbindung stehen. Die Untersuchung ist die bislang größte ihrer Art und zeigt zudem deutliche genetische Überschneidungen mit anderen psychischen und körperlichen Erkrankungen.
Hintergrund
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine schwere psychische Erkrankung, die durch emotionale Instabilität, impulsives Verhalten, ein gestörtes Selbstbild und problematische zwischenmenschliche Beziehungen gekennzeichnet ist. Sie beginnt häufig im Jugendalter und betrifft in westlichen Ländern schätzungsweise 0,9 bis 1,9 Prozent der Bevölkerung. Die biologischen Ursachen waren bisher nur unzureichend verstanden.
Die Studie
Unter Leitung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim analysierten Forscherinnen und Forscher die genetischen Daten von rund 13.000 Betroffenen und mehr als 1,1 Millionen Kontrollpersonen. Die genomweite Assoziationsstudie (GWAS) identifizierte elf unabhängige Risikoloci und neun Kandidatengene. Der genetische Anteil an der Erkrankungsanfälligkeit wird auf etwa 17,3 Prozent geschätzt. Ein polygener Risikoscore erklärte rund 4,6 Prozent des individuellen Erkrankungsrisikos.
Genetische Überschneidungen
Die Analyse zeigte breite genetische Gemeinsamkeiten mit anderen Erkrankungen und Verhaltensweisen, darunter posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Depression, ADHS, antisoziales Verhalten, Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten. Auch Überschneidungen mit körperlichen Erkrankungen wie COPD und Diabetes wurden festgestellt.
Bedeutung
Die Ergebnisse unterstreichen die polygene Architektur der Borderline-Persönlichkeitsstörung und ihre biologischen Verbindungen zu anderen psychischen und somatischen Leiden. Sie eröffnen neue Ansatzpunkte für die Erforschung der zugrunde liegenden Mechanismen und könnten langfristig zu verbesserten diagnostischen und therapeutischen Strategien beitragen. Weitere Studien mit größeren und ethnisch diverseren Datensätzen sowie die Einbeziehung von Umweltfaktoren und epigenetischen Daten sind erforderlich.
FAQ
Was wurde in der Studie gefunden?
Elf unabhängige genetische Risikoloci und neun Kandidatengene, die mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung assoziiert sind.
Wie hoch ist der genetische Anteil an der Erkrankung?
Er wird auf etwa 17,3 Prozent geschätzt.
Gibt es Überschneidungen mit anderen Erkrankungen?
Ja, unter anderem mit PTBS, Depression, ADHS, Suizidalität sowie mit COPD und Diabetes.
Was bedeuten die Ergebnisse für die Praxis?
Sie liefern neue biologische Erkenntnisse, die langfristig die Forschung und Versorgung verbessern können. Klinische Anwendungen stehen noch aus.
Quelle
10.1038/s41588-026-02654-3
