Forschende des französischen Biotechunternehmens Transgene haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich aus mehreren Pockenviren chimäre Viren mit potenziell onkolytischen Eigenschaften erzeugen lassen. Wie das Team in „Frontiers in Bioengineering and Biotechnology“ berichtet (DOI: 10.3389/fbioe.2026.1943548), nutzt es die homologe Rekombination in der Hefe Saccharomyces cerevisiae, um Genomabschnitte verschiedener, für Menschen nicht pathogener Pockenviren neu zu kombinieren.
Zunächst bauten die Forschenden ein nahezu vollständiges Genom des Vacciniavirus in Hefe zusammen und zeigten, dass sich daraus in menschlichen Krebszellen funktionsfähige Viren herstellen lassen. Fehlende terminale Sequenzen wurden mit dem Modifizierten Vacciniavirus Ankara (MVA) als Helfervirus ergänzt. Anschließend kombinierten sie Genommaterial von Vaccinia-, Kuhpocken- und Kaninchenpockenvirus. Von zehn getesteten Hefeklonen lieferten fünf infektiöse Viren.
Die chimären Viren unterschieden sich deutlich in Plaquemorphologie, Ausbreitung und Aktivität gegenüber menschlichen Krebszelllinien. Die Ganzgenomsequenzierung bestätigte, dass einzelne Klone Abschnitte mehrerer Ausgangsviren enthielten. Besonders cPOX04-12 zeigte eine starke Vermehrung und eine ausgeprägte Bildung von Komet-Plaques, die auf eine erhöhte Freisetzung extrazellulärer Viren hindeutet. Die Autoren betonen, dass die Viren noch keine für eine tumorspezifische Vermehrung nötigen Abschwächungen enthalten. Das Verfahren liefere aber eine skalierbare Plattform, um Kandidaten für künftige onkolytische Therapien zu finden.

