Mutationen, die Bakterien gegen Antibiotika resistent machen, können gleichzeitig deren Fähigkeit zur Infektion des Wirts verbessern. Das zeigt eine Studie zu Pseudomonas aeruginosa, die in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht wurde.
Forschende um Pablo Laborda vom Rigshospitalet in Kopenhagen beobachteten in klinischen Daten, dass Mutationen im oprD-Gen – klassisch mit Carbapenem-Resistenz assoziiert – auch ohne vorherige Behandlung mit diesen Antibiotika auftraten. Weitere Untersuchungen in Zellkultur- und Infektionsmodellen ergaben, dass der Verlust des Porins OprD die Bakterien weniger anfällig für Verklumpung im Schleim macht und ihnen ein effizienteres Überqueren der Atemwegsepithel-Barriere ermöglicht.
Die Mutanten hafteten besser an Epithelzellen und zeigten veränderte Oberflächeneigenschaften, darunter eine veränderte elektrische Ladung. Dadurch entkamen sie der mechanischen Falle des Mukus und konnten schneller in tiefere Gewebeschichten vordringen. Dieser Effekt war auch in klinischen Isolaten nachweisbar und ließ sich durch Wiederherstellung des oprD-Gens umkehren.
Die Ergebnisse zeigen, dass Resistenzmutationen nicht nur Schutz vor Antibiotika bieten, sondern auch die Pathogenität und Anpassungsfähigkeit der Bakterien an die Wirtsumgebung verändern können. Dies habe Konsequenzen für das Verständnis chronischer Atemwegsinfektionen, insbesondere bei Mukoviszidose-Patienten.
Die Studie unterstreicht, dass Resistenzentwicklung im Kontext der gesamten Infektionsdynamik betrachtet werden muss.
