Viele kritisch kranke Kinder mit Multiorgan-Dysfunktionssyndrom (MODS) – mit oder ohne Sepsis – weisen ein gemeinsames Immunmuster auf, das mit erschwertem Heilungsverlauf und erhöhter Sterblichkeit verbunden ist. Das hat ein Forschungsteam des Children’s Hospital of Philadelphia (CHOP) in Zusammenarbeit mit weiteren US-Einrichtungen festgestellt.
Die in der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Investigation“ veröffentlichte Studie untersuchte Blutproben von 88 schwerstkranken Kindern auf Intensivstationen. Mithilfe von Spectral-Flow-Cytometry und Einzelzell-Transkriptionsanalysen identifizierten die Forscher eine Hochrisiko-Gruppe mit starker entzündlicher Aktivierung, insbesondere durch erhöhte Spiegel der Signalstoffe Interleukin-6 (IL-6) und Interferon-gamma (IFN-?). Zudem zeigten sich deutliche Störungen bei CD8+ T-Zellen sowie eine anhaltend überaktive JAK/STAT-Signalübertragung.
Dieses Immunprofil trat sowohl bei Kindern mit Sepsis als auch bei solchen mit Organversagen anderer Ursachen auf. Es deutet darauf hin, dass unterschiedliche Auslöser zu einer ähnlich schädlichen Überreaktion des Immunsystems führen können.
Studienleiter Robert B. Lindell betonte, das Ziel sei es, die zugrundeliegende Biologie besser zu verstehen, um künftig präzisere und zielgerichtete Therapien einsetzen zu können. Die Wissenschaftler arbeiten nun an der Validierung einer Blutprotein-Signatur, die das Risikomuster frühzeitig erkennbar machen soll.
Senior-Autorin Sarah E. Henrickson hob hervor, dass der Vergleich mit seltenen angeborenen Immundefekten neue Einblicke in die unterschiedlichen Immunzustände bei Sepsis ermögliche. Langfristig könnten biomarker-gesteuerte Behandlungen die Versorgung auf Intensivstationen verbessern.
