Neue Forschungsergebnisse des Krebszentrums der University of Cincinnati haben biologische Unterschiede in Pankreaskrebstumoren und deren Immunumgebung festgestellt. Das eröffne die Möglichkeit für individuellere Behandlungen verschiedener Bevölkerungsgruppen, teilte die Universität mit. Die unter Leitung von Nina Steele von der UC College of Medicine und in Zusammenarbeit mit Howard Crawford vom Henry Ford + Michigan State University Pancreatic Cancer Center entstandene Arbeit wurde in „Cancer Research“ veröffentlicht (DOI: 10.1158/0008-5472).
Inzidenz und Überlebensraten von Bauchspeicheldrüsenkrebs variieren zwischen Bevölkerungsgruppen in den USA, doch fehlten bislang ausreichende Daten zu spezifischen genomischen Unterschieden. „Es gab noch nie eine groß angelegte multiomische Studie, die Zehntausende biologischer Marker in einer heterogenen Kohorte von Bauchspeicheldrüsenkrebspatienten untersuchte“, sagte Steele. Das Team kartierte die Genominformationen einer repräsentativen Stichprobe der US-Bevölkerung mit diagnostiziertem Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Bei schwarzen Afroamerikanern tritt Bauchspeicheldrüsenkrebs mit 20 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit auf; das Team stellte fest, dass die Krebszellen von schwarzen Afroamerikanern und Nicht-Afroamerikanern unterschiedliche molekulare Signaturen aufweisen. „Die Krebszellen produzieren einzigartige RNAs und Proteine, was relevant dafür sein könnte, wie einzelne Patienten verschiedener Gruppen auf zielgerichtete Therapien wie RAS-Hemmer ansprechen“, sagte Steele. Die bei schwarzen Patienten hochregulierten Marker repräsentierten wahrscheinlich einen Zelltyp, der typischerweise mit Arzneimittelresistenz in Verbindung gebracht werde; dieser biologische Unterschied könnte daher eine Rolle für den Therapieerfolg spielen.
Darüber hinaus unterscheiden sich B-Zellen, eine Art von Immunzellen, innerhalb der Mikroumgebung von Pankreastumoren zwischen den Populationen. Die B-Zellen in Proben schwarzer Afroamerikaner seien zwar zahlreicher, aber auch stärker immunsuppressiv, dämpften also die natürliche Immunantwort. „Das könnte bedeuten, dass die B-Zellen den Krebszellen in dieser Patientengruppe helfen, sich zu verstecken“, sagte Steele. Dies könnte erklären, warum diese Gruppe häufiger an Krebs erkranke und die Erkrankung schwerwiegender verlaufe; weitere Untersuchungen an Pankreasgewebe von Menschen ohne Krebs seien jedoch nötig.
Die Studie liefere einen Rahmen für weitere Forschungen zu den Mechanismen, die diesen biologischen Unterschieden zugrunde liegen, und dazu, wie sie sich auf die Ergebnisse auswirken, sagte Steele. Sie sei Teil eines umfassenderen Trends der personalisierten Medizin, bei dem detailliertere Daten zu spezifischeren Behandlungen führten. Weiterführende Forschung könnte sogar zur Klassifizierung völlig neuer Subtypen von Bauchspeicheldrüsenkrebs führen, ähnlich wie bei Brust- und Prostatakrebs. „Das Krebszentrum ist für alle da und sucht nach Antworten, die allen Patienten helfen. Wir hoffen, die Eigenschaften der Krebszellen früher zu verstehen, um nach den aktuellen Behandlungsstandards einen rationalen Therapieplan zu entwickeln“, sagte Steele. Ziel sei, Prognosen zu erstellen und den Krankheitsverlauf jedes einzelnen Patienten besser vorherzusagen.
Gefördert wurde die Studie von der Lustgarten Foundation, der Sky Foundation und dem National Cancer Institute (Fördernummer R00CA263154 an Steele). Zu den Co-Autoren gehören Yuesong Wu, Daniel James Sålas-Escabillas, Aoqi Xie, Ian M. Loveless, Yasmine Baca, Kailee Hartway, Rama Shankar, Samuel D. Zwernik, Logan Schneider, Ashley George, Madison George, Allison Wombwell, Julie M. Clark, David S. Kwon, Bin Chen, Benjamin H. Hinrichs, Ralph Francescone, Débora Barbosa Vendramini-Costa, Kerem Ozcan, Zhengfan Xu, Ling Huang, Brian K. Theisen, Yuehua Cui und Howard C. Crawford.
