Göteborg – Spülmittel, 70-prozentiger Alkohol und Peressigsäure haben in einer schwedischen Studie die Bakterienlast auf gebrauchten Einweg-Medizinprodukten deutlich gesenkt. Die drei Mittel unterschieden sich in der Wirkung nicht. Die Autoren sehen darin eine mögliche letzte Reserve bei extremem Mangel in Krise oder Krieg, nicht den Ersatz steriler Neuware. Karl Chevalley, Knut Taxbro, Göran Sandström und Kolleginnen und Kollegen beschreiben die Ergebnisse in Prehospital and Disaster Medicine (DOI: 10.1017/S1049023X26109066).
Untersucht wurden 90 gebrauchte Einwegartikel aus sechs Produktgruppen aus Operationssälen. Die Teile wurden gebürstet, zehn Minuten eingelegt und luftgetrocknet, unter Bedingungen, die knappe Versorgung nachbilden sollten. Atemwegshilfen waren vor der Reinigung in 14 von 30 Proben (47 Prozent) in der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) auf 28 Erreger positiv, unter anderem auf Haemophilus influenzae und Staphylococcus aureus. Nach der Reinigung waren alle PCR-Proben negativ. Sichtbare Schäden an Funktion oder Struktur fielen nicht auf. Die Keimreduktion war statistisch signifikant.
Chevalley, Doktorand an der Sahlgrenska-Akademie und Oberarzt der prähospitalen Intensivmedizin am Sahlgrenska-Universitätsklinikum, betont, dass die Verfahren sterile Produkte nicht ersetzen. Sandström von der Sahlgrenska-Akademie und der Försvarshögskolan nennt bevorratete Bestände und funktionierende Lieferketten vorrangig. Notverfahren seien erst nötig, wenn beides ausfällt.
Beim gemeinsamen Reinigen von Spritzen und Infusionsmaterial mit anderen Teilen fanden die Forschenden Hinweise auf Kreuzkontamination. Getrennt gereinigt trat das nicht auf. Die Studie umfasste nur wenige Geräte und einen einzigen Reinigungszyklus. Sie belegt nicht, dass die Artikel an Patientinnen und Patienten sicher wiederverwendet werden dürfen. Beteiligte waren das Centre for Disaster Medicine, die Sahlgrenska-Akademie, das Länssjukhuset Ryhov und die schwedische Verteidigungshochschule.
Einmalprodukte wiederaufzubereiten bleibt in der Regelversorgung an strenge Vorschriften gebunden. Die Arbeit ist eine Laboruntersuchung zur Keimlast, keine Zulassung und keine Handlungsanweisung für den Klinikalltag. Weitere Studien müssen folgen, bevor aus den Verfahren eine belastbare Notfalldoktrin wird.
Originalpublikation:
Article: Contingency Methods for Cleaning Single-Use Medical Equipment in Crisis, Disaster, or War; https://doi.org/10.1017/S1049023X26109066
