Berlin – Tungiasis beeinträchtigt nach einer Modellrechnung jedes Jahr 379.645 Lebensjahre durch Krankheit und Behinderung. Rechnet man Begleiterkrankungen ein, steigt der Wert auf bis zu 575.298 Disability-Adjusted Life Years (DALYs). Das berichtet eine internationale Gruppe um Georg von Samson-Himmelstjerna vom Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin in BMC Global and Public Health (DOI: 10.1186/s44263-026-00318-2). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt Tungiasis seit 2021 in ihrer Roadmap zu vernachlässigten Tropenkrankheiten. Eine bezifferte globale Last fehlte bisher.
Die Erkrankung entsteht, wenn Sandflöhe in die Haut eindringen. Sie trifft vor allem benachteiligte Gruppen in Subsahara-Afrika und Brasilien. Typisch sind Juckreiz, Schmerzen und Entzündungen. Möglich sind Sekundärinfektionen, Wundbrand und bleibende Hautschäden. Begleiterkrankungen können tödlich enden. Die Übertragungskette umfasst Menschen, Haustiere und Umwelt. Die Autoren raten deshalb, WHO, Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) und UN-Umweltprogramm (UNEP) gemeinsam einzubinden.
Absolut liegt die Last in ähnlicher Größenordnung wie bei bestimmten bodenübertragenen Wurmerkrankungen, darunter Echinokokkose, Toxokarose und Fasziolose. Pro Kopf übersteigt die Schätzung die Last bodenübertragener Würmer und der Schistosomiasis. Die Gewichte für Einschränkungen stammten bisher von Symptomen anderer Krankheiten. Spezifische Schätzungen im Global-Burden-of-Disease-Ansatz stehen noch aus.
Die Gruppe empfiehlt große Prävalenzstudien in Ländern mit hoher Last, darunter Äthiopien, Nigeria, Brasilien, Burundi und Madagaskar, und vergleichbare Daten aus West-, Zentral- und Ostafrika sowie Südamerika. Samson-Himmelstjerna nennt die Modellstudie einen Ausgangspunkt und zugleich den Beleg, wo bessere Verbreitungsdaten fehlen.
DALYs sind eine Rechengröße, keine gezählten Patientinnen und Patienten. Die Zahlen hängen von Annahmen zur Verbreitung und zu Gewichten ab. Sie ersetzen keine lokale Versorgungsstatistik. Tungiasis bleibt damit eine quantifizierte, aber weiterhin datenarme vernachlässigte Tropenkrankheit.
Originalpublikation:
https://doi.org/10.1186/s44263-026-00318-2
