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Erste CRISPR-Therapie in Deutschland erfolgreich angewandt

Berlin (LabNews Media LLC) – An der Berliner Charité ist erstmals in Deutschland ein Patient mit der CRISPR-basierten Gentherapie Exagamglogene Autotemcel (Exa-cel) behandelt worden. Der 19-jährige Mohammad, der an der Erbkrankheit Beta-Thalassämie leidet, erhielt die Therapie im Mai, wie die Klinik am Donnerstag mitteilte. Vier Monate nach der Behandlung ist er nicht mehr auf Bluttransfusionen angewiesen.

Die Verabreichung erfolgte in Anwesenheit der CRISPR-Entdeckerin und Nobelpreisträgerin Emmanuelle Charpentier. Das Medikament ist die weltweit erste zugelassene CRISPR-basierte Therapie.

„Am 28. Mai wurde Grundlagenforschung zur medizinischen Versorgung“, sagte die behandelnde Oberärztin Lena Oevermann von der Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie der Charité. Sie verabreichte dem Patienten die Therapie, die das genetische Material der Blutstammzellen verändert.

Hintergrund

Charpentier hatte die CRISPR-Cas9-Technologie 2012 gemeinsam mit Jennifer Doudna erstmals beschrieben. Ursprünglich ein bakterieller Abwehrmechanismus gegen Viren, wurde sie zu einem präzisen genetischen Werkzeug weiterentwickelt. 2020 erhielten beide Wissenschaftlerinnen dafür den Nobelpreis für Chemie.

„Nun, nur 14 Jahre nach ihrer Erstbeschreibung, ist dieses Gen-Editing-Werkzeug Teil einer Behandlung, die wir schwer kranken jungen Patienten im klinischen Alltag anbieten können“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Charité, Heyo K. Kroemer. „Dass diese Therapie nach ihrer Zulassung nun erstmals in Deutschland – hier an der Charité – eingesetzt wird, ist ein Meilenstein in der Medizin.“

Die Erkrankung

Weltweit werden nach Angaben der Charité jährlich etwa 60.000 Kinder mit schwerer Beta-Thalassämie geboren. Ursache ist ein genetischer Defekt, der die Produktion des Blutpigments Hämoglobin beeinträchtigt. Unbehandelt sterben Patienten mit der schweren Form der Erkrankung noch vor dem Kleinkindalter.

Betroffene Kinder benötigen alle drei Wochen Bluttransfusionen, die langfristig schwerwiegende Nebenwirkungen haben können. Eine Stammzelltransplantation kann die Krankheit heilen, ist aber nach Angaben der Ärztin nur bis zum Alter von 14 Jahren eine Option, da danach die Risiken von Komplikationen zu groß werden. „Mohammad war bereits zu alt für den Eingriff. Da es für ihn keine andere Behandlungsoption gab, haben wir Exa-cel nach einer Einzelfallprüfung durch seine Krankenkasse verabreicht“, sagte Oevermann.

Ablauf der Behandlung

Exa-cel ist keine Substanz, sondern eine zellbasierte Gentherapie, weshalb sich der Behandlungsprozess über etwa zwölf Monate erstreckte. Zunächst wurden die Blutstammzellen des Patienten stimuliert, damit sie aus dem Knochenmark in den Blutkreislauf wandern. Nach dem Herausfiltern wurden die Stammzellen an die Labore des Herstellers in den Niederlanden geschickt, wo mithilfe des CRISPR-Werkzeugs das Gen für die Gamma-Globin-Kette reaktiviert wurde. Diese Hämoglobin-Untereinheit produziert der Mensch bereits im Mutterleib; nach der Geburt stellt der Körper die Produktion natürlicherweise ein.

Vor der Rückgabe der genetisch veränderten Zellen musste durch eine Chemokonditionierung Platz im Knochenmark geschaffen werden. Am 28. Mai wurden nach Angaben der Ärztin über 900 Millionen der genetisch veränderten Stammzellen in den Blutkreislauf infundiert. Innerhalb von 40 Tagen begann der Körper, fetales Hämoglobin zu produzieren, das nun 85 Prozent des gesamten Hämoglobinspiegels ausmacht. Der Gesamthämoglobinspiegel liegt bereits im Normalbereich.

Risiken und Nachbeobachtung

Der Patient tolerierte die Behandlung nach Angaben der Klinik gut und wurde knapp sechs Wochen nach der Verabreichung entlassen. Dennoch sei die Therapie ein umfangreicher Eingriff mit Nebenwirkungen und Langzeitrisiken. „Die Chemokonditionierung verursacht akute Nebenwirkungen wie schmerzhafte Entzündungen der Schleimhäute, führt wahrscheinlich zu Unfruchtbarkeit und kann Leberschäden verursachen“, sagte Oevermann. Zudem lägen noch keine Daten zur langfristigen Sicherheit und Wirksamkeit vor.

Die bedingte Zulassung des Medikaments sieht vor, dass behandelte Patienten 15 Jahre lang überwacht werden. Die Therapie darf nur in spezialisierten Zentren verabreicht werden; die Charité ist das erste qualifizierte Zentrum in Deutschland.

Über Exa-cel

Exagamglogene Autotemcel ist eine zellbasierte Gentherapie, die die CRISPR-Cas9-Technologie nutzt. Seit 2024 ist sie in Europa bedingt zugelassen für bestimmte Patienten mit transfusionsabhängiger Beta-Thalassämie oder schwerer Sichelzellkrankheit. Das Medikament wurde von CRISPR Therapeutics, einem von Charpentier, Rodger Novak und Shaun Foy mitgegründeten Unternehmen, und Vertex Pharmaceuticals entwickelt.

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The Editors in Chief of labnews.ai are Marita Vollborn and Vlad Georgescu. They are bestselling authors, science writers and science journalists since 1994.More details about their writing on X-Press Journalistenbüro (https://xpress-journalisten.com).More Info on Wikipedia:About Marita: https://de.wikipedia.org/wiki/Marita_Vollborn About Vlad: https://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_Georgescu
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