MÜNCHEN, 28. August (LabNews Media LLC) – Alle Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankung sollen bei der Diagnose auf eine chronische Nierenkrankheit untersucht werden. Das fordern erstmals eigene ESC-Leitlinien gemeinsam mit der European Renal Association, erschienen im European Heart Journal (DOI: 10.1093/eurheartj/ehag098).
In Europa leben schätzungsweise 100 Millionen Menschen mit chronischer Nierenkrankheit. Sie erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko; umgekehrt beschleunigt Herzkrankheit die Nierenschädigung. Die Arbeitsgruppe um Kevin Damman und William Herrington fasst das Vorgehen unter dem Kürzel STAMP: Screen, Triage, Address CKD Risk, Modify CVD management, Plan health services.
Das Screening umfasst die geschätzte Filtrationsrate aus dem Kreatinin und das Albumin-Kreatinin-Verhältnis im Urin. Zur Risikosenkung rücken RAS-Hemmer, SGLT2-Hemmer und Statine in den Vordergrund. Die Leitlinie nennt außerdem Anpassungen der Herztherapie bei eingeschränkter Nierenfunktion und eine engere Zusammenarbeit von Kardiologie und Nephrologie. Eine Patientenfassung soll die gemeinsame Entscheidung erleichtern.
Ob die Empfehlung die Testpraxis ändert, hängt von Laborzugang, Vergütung und Umsetzung in den nationalen Systemen ab. Forschungslücken benennt die Taskforce selbst.
