Daejeon – Forschende des Institute for Basic Science (IBS) in Südkorea haben mikroskopische Öffnungen in der Arachnoidalmembran entdeckt, über die das Gehirn Stoffwechselabfälle entsorgt. Die als „arachnoid fenestrations“ bezeichneten Durchlässe ermöglichen den Übertritt von Liquor cerebrospinalis (Hirnwasser) in die meningealen Lymphgefäße. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Cell veröffentlicht (DOI: 10.1016/j.cell.2026.06.035).
Das Gehirn produziert kontinuierlich metabolische Abfallstoffe, darunter Proteine wie Beta-Amyloid, phosphoryliertes Tau und Alpha-Synuklein. Diese werden über den Liquor abtransportiert und gelangen letztlich in die Lymphknoten des Halses. Unklar war bislang, wie der Liquor die Arachnoidalmembran – eine Schutzbarriere zwischen Gehirn und Lymphsystem – überwindet.
Das Team um Gou Young Koh identifizierte im Bereich zwischen den Riechkolben und der Siebbeinplatte (Lamina cribrosa) zahlreiche mikroskopische Öffnungen mit einem Durchmesser von etwa 2 bis 12 Mikrometern. Fluoreszenztracer, die in den Liquor injiziert wurden, sammelten sich an diesen Öffnungen, durchquerten die Membran, gelangten in meningeale Lymphgefäße, passierten die Siebbeinplatte und flossen über Lymphgefäße der Nasenschleimhaut in die Halslymphknoten ab.
Ähnliche Strukturen fanden die Forschenden auch bei Javaneraffen, was auf eine evolutionäre Konservierung bei Säugetieren hindeutet. Das gezielte Blockieren der Öffnungen mit zu großen Mikrosphären reduzierte den Abfluss von Liquor in die Halslymphknoten deutlich und bestätigte ihre Funktion als kritische Durchlässe.
Mit dem Alter verschlechtert sich dieses System: Lymphgefäße bilden sich zurück, die Öffnungen werden kleiner und seltener, und der Liquorabfluss nimmt ab. Durch die nasale Verabreichung eines viralen Vektors, der den Wachstumsfaktor VEGF-C produziert, konnten die Forschenden die Lymphgefäße in der Umgebung der Riechkolben und in der Nasenschleimhaut erweitern. Dadurch wurde der Liquorabfluss in alten Mäusen wieder auf das Niveau junger Tiere angehoben – obwohl die Öffnungen selbst und die Siebbeinplatte nicht wiederhergestellt wurden.
Die Entdeckung liefert nach Einschätzung der Autoren einen detaillierten anatomischen und funktionellen Rahmen für die Abfallentsorgung des Gehirns und eröffnet neue Ansätze, um altersbedingte oder krankheitsassoziierte Störungen dieses Systems zu untersuchen.
