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Linnemann Alternative: Politikern Diäten um 30 Prozent kürzen

Der Gesundheitsminister will zehn Prozent bei der Pflege kürzen. Die Betroffenen sollen verkaufen, was sie haben. Ein radikaler Gegenvorschlag: Die Diäten aller Politiker um dreißig Prozent senken. Die Rechnung fällt ernüchternd aus – aber sie zeigt, wo das Geld wirklich liegt.

von LabNews.ai

Carsten Linnemann hat ein Problem. Die Pflegeversicherung hat ein strukturelles Defizit, für 2027 drohen acht Milliarden Euro Fehlbetrag . Der Minister sagt: „Wir müssen rund zehn Prozent einsparen.“ Und er sagt auch: „Natürlich kann ich nicht garantieren, dass es an der ein oder anderen Stelle keine Leistungskürzungen geben wird“ . Das ist ehrlich. Es ist die Ehrlichkeit eines Mannes, der weiß, dass die Rechnung bei denen landet, die sie am wenigsten tragen können.

Denn wer sind die „Leistungsempfänger“, von denen Linnemann spricht? Es sind die über sechs Millionen Pflegebedürftigen, deren Zahl sich in zwanzig Jahren verdreifacht hat . Es sind die Heimbewohner, deren durchschnittlicher Eigenanteil im August 2026 bei 3.237 Euro pro Monat lag – Tendenz steigend . Es sind die Familien, die das Haus der Mutter verkaufen, das Ersparte des Vaters aufbrauchen, bevor das Sozialamt einspringt. Und nun sollen sie also auch noch die zehn Prozent tragen.

Linnemann sagt, er wolle „zielgenauer denen helfen, die es wirklich brauchen“ . Das klingt nach einem Minister, der weiß, dass seine Sparvorgabe aus dem Finanzministerium kommt und nicht aus dem Leben eines Pflegeheims in Gelsenkirchen.

Der Gegenvorschlag

Wenn dreißig Prozent eingespart werden müssen – und ja, dreißig, nicht zehn, denn zehn sind angesichts der Größenordnung ein Tropfen auf den heißen Stein –, dann sollte dort angefangen werden, wo die Belastung am geringsten ist.

Bundestagsabgeordnete erhalten 11.833,47 Euro monatlich. In diesem Jahr haben sie immerhin auf die reguläre Erhöhung um 4,2 Prozent verzichtet – ein Signal, das der Bundestag selbst als „richtig“ bezeichnete angesichts der „angespannten Haushaltslage“ . Aber ein Verzicht auf eine Erhöhung ist keine Kürzung. Es ist ein Stillhalten.

In den Ländern sieht es anders aus. Bayern erhöht um 4,1 Prozent auf 10.595 Euro. Hessen um 4,3 Prozent auf 10.362 Euro. Baden-Württemberg um 3,5 Prozent auf 9.648 Euro, plus 2.804 Euro Kostenpauschale . Nordrhein-Westfalen zahlt 11.464 Euro. Nur die AfD forderte dort eine Nullrunde – und blieb allein .

Die Forderung ist so einfach wie unbequem: Alle Politiker auf Bundes- und Landesebene kürzen ihre Diäten um dreißig Prozent. Nicht die Pflegebedürftigen. Nicht die Angehörigen. Die Politiker.

Die Rechnung

Rechnen wir es durch, nüchtern und ohne Empörung.

Der Bundestag hat 630 Abgeordnete. Bei 11.833,47 Euro monatlich ergibt eine dreißigprozentige Kürzung pro Kopf 3.550 Euro weniger im Monat. Für alle 630 zusammen: rund 2,24 Millionen Euro monatlich, also 26,8 Millionen Euro im Jahr.

Die Landtage: 1.898 Abgeordnete in den 16 Parlamenten . Der Durchschnitt der Grundentschädigungen liegt konservativ geschätzt bei etwa 9.000 Euro monatlich. Dreißig Prozent davon sind 2.700 Euro pro Kopf. Für alle 1.898: rund 5,12 Millionen Euro monatlich, also 61,5 Millionen Euro im Jahr.

Die Bundesminister und Staatssekretäre: Das Gehalt eines Bundesministers liegt bei etwa 280.000 Euro im Jahr. Bei 17 Ministern ergibt eine dreißigprozentige Kürzung rund 1,43 Millionen Euro. Staatssekretäre und Kanzler eingerechnet, kommt man auf vielleicht 2 Millionen Euro jährlich.

Gesamt: rund 90 Millionen Euro pro Jahr.

Das ist die Zahl. Neunzig Millionen. Nicht neunzig Milliarden. Nicht einmal eine Milliarde.

Linnemanns Einsparziel von zehn Prozent bei einem Pflegebudget von etwa 60 Milliarden Euro entspricht rund sechs Milliarden Euro. Die dreißigprozentige Diätenkürzung aller Politiker im Land bringt nicht einmal zwei Prozent dieser Summe.

Was das bedeutet

Die Rechnung zeigt zwei Dinge. Erstens: Der symbolische Akt der Diätenkürzung ist real, aber klein. Wer ihn fordert, fordert ein Zeichen, keine Lösung. Das ist legitim. Symbole haben ihren Platz in der Politik. Aber sie zahlen keine Pflegeheimrechnung.

Zweitens, und das ist der eigentliche Skandal: Die Debatte um Linnemanns zehn Prozent ist eine Debatte über die Schwächsten, weil die Starken nicht zur Disposition stehen. Die Pflegeversicherung hat ein strukturelles Problem, das aus demografischer Entwicklung und jahrzehntelanger Leistungsausweitung entstanden ist . Die Lösung dafür kann nicht darin bestehen, dass die 85-Jährige mit Pflegegrad 3 ihr Erspartes aufbraucht, während der Landtagsabgeordnete in Stuttgart weitere 326 Euro im Monat bekommt .

Linnemann sagt, die Pflegeversicherung sei „eine Teilversicherung“ und könne „nicht sämtliche Kosten tragen“ . Das stimmt. Aber dann muss die Frage erlaubt sein, wer die anderen Teile trägt. Und warum die, die bereits alles gegeben haben, immer noch die ersten sind, die zur Kasse gebeten werden.

Dreißig Prozent Diätenkürzung wären ein Anfang. Aber sie wären nur dann mehr als ein Feigenblatt, wenn ihnen die eigentliche Debatte folgt: Wie finanzieren wir eine Gesellschaft, in der immer mehr Menschen immer länger pflegebedürftig sind – ohne dass die Pflege zur existenziellen Bedrohung für die Familien wird, die sie stemmen?

Diese Debatte hat noch nicht begonnen. Linnemanns zehn Prozent sind ihr erster Akt – und es ist ein Akt, in dem die falschen Leute die Hauptrolle spielen.

Dieser Beitrag basiert auf öffentlich zugänglichen Quellen. Die Berechnungen zu den Diäten sind konservative Schätzungen auf Basis veröffentlichter Grundentschädigungen; exakte Gesamtsummen variieren je nach Einbeziehung von Kostenpauschalen, Altersvorsorgebeiträgen und Zulagen.

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The Editors in Chief of labnews.ai are Marita Vollborn and Vlad Georgescu. They are bestselling authors, science writers and science journalists since 1994.More details about their writing on X-Press Journalistenbüro (https://xpress-journalisten.com).More Info on Wikipedia:About Marita: https://de.wikipedia.org/wiki/Marita_Vollborn About Vlad: https://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_Georgescu
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