Ein bislang für das multiple Myelom zugelassener Wirkstoff hat bei zwei Patientinnen mit einer schweren autoimmunen peripheren Nervenerkrankung zu einer raschen und deutlichen Besserung geführt. Die IgM-Antikörper, die die Nerven schädigen, waren nach der Behandlung nicht mehr nachweisbar.
Die Erkrankung
Bei der betroffenen Form einer autoimmunen peripheren Neuropathie produziert das Immunsystem überschießend IgM-Antikörper. Diese greifen die Markscheiden der peripheren Nerven an, stören die Signalübertragung und führen langfristig zum Untergang von Nervenzellen. Bisherige Therapien wie Kortison, Immunsuppressiva oder Plasmapherese zeigen oft nur begrenzte und vorübergehende Effekte.
Die neue Therapie
Teclistamab ist ein bispezifischer Antikörper, der ursprünglich zur Behandlung des multiplen Myeloms entwickelt wurde. Er richtet sich gegen das BCMA-Molekül auf Plasmazellen und führt zu deren gezielter Zerstörung. Dadurch wird die Produktion der krankmachenden Antikörper unterbunden. Der Wirkstoff wurde bei den beiden Patientinnen im Rahmen eines individuellen Heilversuchs eingesetzt.
Ergebnisse bei den Patientinnen
Nach Beginn der Therapie mit Teclistamab gingen die IgM-Antikörper und Paraproteine im Blut innerhalb kurzer Zeit zurück. Gleichzeitig sank der Neurofilament-Spiegel, ein Marker für Nervenzellschäden. Ultraschalluntersuchungen zeigten eine Abnahme entzündlicher Veränderungen an den Nerven. Die Nervenfunktion verbesserte sich messbar, und die Patientinnen profitierten klinisch bereits nach wenigen Wochen. Über einen Beobachtungszeitraum von mehr als einem Jahr traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf.
Bedeutung
Die Beobachtungen deuten darauf hin, dass Immuntherapien aus der Krebsbehandlung, die Plasmazellen gezielt angreifen, auch bei bestimmten Autoimmunerkrankungen des Nervensystems wirksam sein können. Damit eröffnet sich möglicherweise ein neuer Ansatz für bisher schwer behandelbare Formen autoimmuner Neuropathien. Weitere klinische Studien sind erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit systematisch zu prüfen.
FAQ
Um welche Erkrankung handelt es sich?
Um eine seltene autoimmun bedingte periphere Nervenerkrankung, bei der IgM-Antikörper die Nervenscheiden angreifen.
Wie wirkt Teclistamab in diesem Fall?
Der Wirkstoff zerstört Plasmazellen, die die schädlichen Antikörper produzieren, und unterbricht damit die krankhafte Immunreaktion.
Wie schnell trat eine Besserung ein?
Bei beiden Patientinnen kam es innerhalb weniger Wochen zu einer deutlichen klinischen Verbesserung.
Gibt es bereits eine Zulassung für diese Indikation?
Nein. Die Anwendung erfolgte bisher nur im Rahmen individueller Heilversuche.
Was sind die nächsten Schritte?
Weitere klinische Studien sollen die Wirksamkeit und Sicherheit des Ansatzes bestätigen.
Quelle
10.1038/s41467-026-73819-1
