Zum Inhalt springen

Klinische Studie belegt progressive Abnahme der Hornhautsensibilität bei angeborener Aniridie

Die seltene angeborene Aniridie führt nicht nur zu strukturellen Veränderungen der Hornhaut, sondern verursacht auch eine fortschreitende Beeinträchtigung der Funktion der sensiblen Hornhautnerven. Dies zeigt eine klinische Studie des Ocular Neurobiology Group am Institut für Neurowissenschaften (IN) der Universität Miguel Hernández (UMH) in Elche und des Spanischen Nationalen Forschungsrats (CSIC), die in der Fachzeitschrift Cornea veröffentlicht wurde. Aniridie wird in den meisten Fällen durch Mutationen im PAX6-Gen ausgelöst, das für die Entwicklung okulärer Strukturen entscheidend ist. Neben der vollständigen oder teilweisen Irisaplasie leiden Betroffene häufig unter Fokussierungsstörungen, Photophobie und langfristig zunehmenden Komplikationen. Frühere Untersuchungen hatten bereits eine reduzierte Nervendichte in der Hornhaut erwachsener Patienten gezeigt. Die neue Studie untersuchte erstmals systematisch, ob die verbliebenen Nerven noch funktionsfähig sind und welche Auswirkungen eine mögliche Funktionsstörung hat. Das internationale Team um Prof. Mª Carmen Acosta und Prof. Juana Gallar verglich Kinder und… 

Übersichtsartikel fordert integrierte Multi-Target-Strategie gegen Alzheimer

Trotz der Zulassung von Antikörpertherapien wie Lecanemab und Donanemab, die den kognitiven Abbau bei Alzheimer verlangsamt haben, bleibt die Erkrankung bislang weder umkehrbar noch heilbar. Ein umfassender Übersichtsartikel in Science China Life Sciences plädiert daher für einen Paradigmenwechsel: weg von einseitigen Ansätzen hin zu integrierten, multi-target-basierten Therapiestrategien, die über Amyloid und Tau hinausgehen. Unter Leitung von Professor Yan-Jiang Wang (Daping Hospital, Third Military Medical University, Chongqing) analysiert das internationale Autorenteam die komplexe Pathophysiologie der Alzheimer-Krankheit (AD). Amyloid-beta-Ablagerungen und Tau-Hyperphosphorylierung bleiben zentrale Pathomechanismen, doch deren alleinige Bekämpfung erklärt nicht die begrenzten klinischen Erfolge. Die Erkrankung entsteht vielmehr aus einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Die Autoren kritisieren rein „reduktionistische“ Therapieansätze und fordern stattdessen ganzheitliche Strategien. Dazu zählen die Entwicklung multi-target-Wirkstoffe, der Einsatz humaner iPSC-basierter Organoid-Modelle zur Wirkstoffprüfung sowie eine Präzisionsmedizin, die auf frühe Biomarker wie plasma-pTau217 setzt. Der Erfolg bei der Bekämpfung von… 

Studie zeigt gegensätzliche Rollen von IL6 und IL6R bei Langzeitsterblichkeit

Interleukin-6 (IL6) und sein löslicher Rezeptor (IL6R) wirken sich biologisch gegensätzlich auf die menschliche Überlebenszeit aus: Erhöhte IL6-Spiegel erhöhen die Sterblichkeit, während höhere IL6R-Spiegel sie senken – vor allem über kardiovaskuläre Mechanismen. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Mendelian-Randomization-Studie, die in der Zeitschrift Aging-US erschienen ist. Das internationale Forschungsteam um Eliano P. Navarese (Link Campus University Rom und SIRIO MEDICINE Research Network, Nicolaus-Copernicus-Universität Thorn) nutzte genetische Instrumente aus Genom-weiten Assoziationsstudien mit über 750.000 Teilnehmern europäischer Abstammung. Diese wurden mit Mortalitätsdaten der FinnGen-Kohorte (Median-Nachbeobachtung 11,7 Jahre) kombiniert, um kausale Effekte entzündlicher Biomarker auf die Gesamtsterblichkeit sowie kardiovaskuläre Endpunkte zu prüfen. Robuste Mendelian-Randomization-Methoden und Sensitivitätsanalysen ergaben: Genetisch höhere IL6R-Spiegel waren mit einer geringeren Gesamtsterblichkeit assoziiert (Odds Ratio pro 1-Standardabweichung-Anstieg: 0,95; 95%-KI: 0,91–0,98). Gleichzeitig zeigten sich niedrigere Risiken für Vorhofflimmern, koronare Herzkrankheit, Schlaganfall und Lungenkrebs. Umgekehrt ging ein genetisch bedingter Anstieg von… 

EMA gibt positive Stellungnahme zu Acoziborole Winthrop als Einzeldosis-Therapie gegen die gambiense Schlafkrankheit

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat eine positive wissenschaftliche Stellungnahme zu Acoziborole Winthrop (Acoziborole) abgegeben. Das Präparat wird als orale Einzeldosis-Therapie (drei Tabletten) für Erwachsene sowie Jugendliche ab zwölf Jahren und mindestens 40 Kilogramm Körpergewicht empfohlen – sowohl im Früh- als auch im Spätstadium der gambiense-Schlafkrankheit (humaner afrikanischer Trypanosomiasis gambiense), der häufigsten Form dieser parasitären Erkrankung. Die positive Bewertung erfolgte im Rahmen des EU-M4all-Verfahrens, das für Arzneimittel gegen vernachlässigte Krankheiten mit hohem medizinischem Bedarf vorgesehen ist und Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie Regulierungsbehörden aus Endemie-Ländern einbezieht. Sie bestätigt, dass das Medikament EU-Qualitätsstandards erfüllt und soll den Weg für nationale Zulassungen ebnen – insbesondere in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) – sowie für eine Anpassung der WHO-Behandlungsleitlinien. Damit könnte der Zugang in weiteren Endemie-Ländern Zentral- und Westafrikas deutlich erleichtert werden. Acoziborole wurde gemeinsam von der Drugs for… 

Zeckenprotein hat Potenzial gegen Entzündungs- und Autoimmunerkrankungen

Ein aus Zecken stammendes Protein könnte neue Wege zur Behandlung entzündlicher und autoimmuner Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Multipler Sklerose, chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen sowie bestimmter Krebsformen eröffnen. Forschende des Biomedicine Discovery Institute der Monash University haben ein sogenanntes Evasin identifiziert, das erstmals beide Hauptklassen von Chemokinen – CC- und CXC-Chemokine – gleichzeitig binden und hemmen kann. Chemokine sind kleine Proteine, die bei einer Infektion oder Verletzung Immunzellen an den Entzündungsort locken. Zecken produzieren Evasine, um während des Blutsaugens eine Immunreaktion ihres Wirts zu unterdrücken. Diese Proteine binden Chemokine und verhindern so die Alarmierung des Immunsystems. Bei Menschen können Chemokine jedoch auch übermäßig aktiviert werden und chronische Entzündungen oder Autoimmunprozesse auslösen. Bisher waren nur Evasine bekannt, die jeweils nur eine Chemokinklasse blockieren. Die nun in der Fachzeitschrift Structure (Cell Press) veröffentlichte Studie zeigt, dass ein natürlich vorkommendes Evasin beide Klassen gleichzeitig neutralisieren kann.… 

Bluttest sagt voraus, welche Blasenkrebs-Patienten sicher auf eine Operation verzichten können

Forscher des Fox Chase Cancer Center berichteten über positive Ergebnisse der Studie mit dem Namen RETAIN-2. Diese zeigen, dass ein an die Reaktion angepasster Ansatz zur Blasenerhaltung unter Einbeziehung einer neoadjuvanten Chemoimmuntherapie bei ausgewählten Patienten in Betracht gezogen werden kann. Zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) kann das Metastasierungsrisiko bei Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs , die eine blasenerhaltende Behandlung erhalten, vorhersagen. Laut neuen Daten, die heute von Forschern des Fox Chase Cancer Center vorgestellt wurden, ist sie jedoch kein guter Indikator für ein lokales Wiederauftreten innerhalb der Blase. Die Studie zeigte außerdem, dass das Fehlen von ctDNA einen günstigen Krankheitsverlauf vorhersagte , unabhängig davon, ob die Blase des Patienten entfernt wurde oder nicht. Zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) sind winzige DNA-Fragmente, die von absterbenden Krebszellen während der Behandlung zurückgelassen werden. Die Studie, die aktualisierte Daten der Phase-2-Studie RETAIN-2 präsentiert , könnte laut Erstautorin Dr. Pooja Ghatalia, außerordentliche Professorin am Department für Hämatologie/Onkologie des Fox Chase Cancer… 

Neue Kooperation von BIÖG, DOSB und dsj für mehr Bewegung und Prävention in Deutschland

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend (dsj) haben eine neue Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die zum 27. Februar 2026 in Kraft tritt. Ziel ist es, Kräfte zu bündeln, um Bewegung und Prävention im Alltag flächendeckend zu stärken. Die drei Partner kooperieren bereits seit Jahren erfolgreich, etwa beim dsj-Bewegungskalender, der Initiative „Kinder stark machen“ zur Suchtprävention sowie dem Aktionsbündnis „Alkoholfrei Sport genießen“. Die neue Vereinbarung baut darauf auf und setzt klare Schwerpunkte auf Gesundheitsförderung durch Breitensport und Alltagsbewegung für alle Altersgruppen. Ein zentrales gemeinsames Vorhaben ist die Verknüpfung des Bewegungstypentests des BIÖG mit der digitalen Bewegungslandkarte (BeLa) des DOSB. Der Test ermittelt individuelle Bewegungspräferenzen, die BeLa zeigt passende Sport- und Bewegungsangebote in der näheren Umgebung – von Vereinen über Parks und Spielplätze bis hin zu Calisthenics-Anlagen. Damit sollen Menschen niedrigschwellig zu mehr Aktivität motiviert… 

Neue Immuntherapie für Prostatakrebs im Frühstadium

Eine von der Mayo Clinic  geleitete   und in Cell Reports Medicine veröffentlichte Studie mehrerer Institutionen  berichtet, dass die Kombination einer Immuntherapie der nächsten Generation mit einer Standard-Hormontherapie vor der Operation dazu beitragen könnte, ein langjähriges Hindernis bei   der Behandlung  von Prostatakrebs im Frühstadium zu überwinden Die Immuntherapie hat sich bei Prostatakrebs im Allgemeinen als ineffektiv erwiesen, da die Tumore immunologisch als „kalt“ gelten. Das bedeutet, sie ziehen nicht genügend Immunzellen an, um einen starken Angriff auszulösen. Die häufig angewandte Hormontherapie bei Prostatakrebs, die sogenannte  Androgenentzugstherapie  (ADT), kann die Tumore vorübergehend reaktionsfähiger machen, indem sie Immunzellen in den Tumor lockt. Dieser Nutzen ist jedoch nur von kurzer Dauer: Die Behandlung erhöht auch die Anzahl  regulatorischer T-Zellen  (Tregs), die das Immunsystem hemmen und seine krebsbekämpfende Wirkung abschwächen.   In der ersten randomisierten Studie der frühen Phase am Menschen untersuchten Forscher, ob die zusätzliche Gabe einer Immuntherapie der nächsten Generation zur Hormontherapie vor einer Operation die… 

Protein stoppt Wachstum des Malaria-Parasiten

Ein internationales Forschungsteam hat ein einzigartiges Protein entdeckt, das für das Überleben und die Übertragung des Malaria-Parasiten unerlässlich ist. Es handelt sich um die Aurora-related kinase 1 (ARK1), die als vielversprechendes neues Ziel für Antimalaria-Medikamente gilt. In einer am 26. Februar 2026 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichten Studie beschreiben Forscher der University of Nottingham, des National Institute of Immunology (NII) in Indien, der University of Groningen, des Francis Crick Institute und weiterer internationaler Partner, dass ARK1 als eine Art „Verkehrsleiter“ bei der ungewöhnlichen Zellteilung des Parasiten fungiert. Das Protein organisiert den Spindelapparat, der das genetische Material bei der Teilung auseinanderzieht. Anders als bei menschlichen Zellen verläuft die Zellteilung beim Malaria-Parasiten Plasmodium atypisch und extrem schnell. Schalteten die Wissenschaftler ARK1 im Labor experimentell aus, konnten die Parasiten keine funktionsfähigen Spindeln mehr bilden. Die Replikation scheiterte, und die Parasiten waren weder… 

Tuberkulose als systemisches Problem

Trotz Fortschritten bei Diagnostik und Therapie bleibt Tuberkulose (TB) weltweit die tödlichste Infektionskrankheit. Forschende der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) plädieren in einer neuen Studie für einen systemischen Ansatz, der TB nicht nur als medizinisches, sondern als Folge umfassenderer gesellschaftlicher und struktureller Kräfte betrachtet. Die Ergebnisse erschienen in The Lancet Global Health. Das Forschungsteam um Dr. Mikaela Coleman und Prof. Katharina Kranzer (Institut für Infektions- und Tropenmedizin, LMU Klinikum) führt den Begriff der „tuberkulogenen Umgebung“ ein. Darunter verstehen sie das komplexe Zusammenspiel von Armut, unzureichenden Wohnverhältnissen, mangelndem Zugang zu nahrhaften Lebensmitteln, schlecht belüfteten öffentlichen Räumen und unterfinanzierten Gesundheitssystemen – Faktoren, die bestimmte Gemeinschaften einem hohen TB-Risiko aussetzen, selbst wenn medizinische Versorgung grundsätzlich verfügbar ist. Die Autorinnen und Autoren kartieren die beteiligten Akteure und Kräfte über Sektoren, Institutionen, globale Märkte, kommerzielle Interessen und Umweltbedingungen hinweg. Sie kritisieren, dass aktuelle Bekämpfungsstrategien zu viel Verantwortung… 

Zwei neue FSME-Risikogebiete in Sachsen und Sachsen-Anhalt – 693 Erkrankungen im Jahr 2025

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Karte der FSME-Risikogebiete in Deutschland aktualisiert. Neu hinzugekommen sind der Landkreis Nordsachsen in Sachsen und der Stadtkreis Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt. Damit sind aktuell 185 Kreise als Risikogebiete für die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ausgewiesen. Das Risiko einer Infektion durch Zeckenstiche besteht weiterhin vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen, im südöstlichen Brandenburg und östlichen Sachsen-Anhalt. Einzelne Risikogebiete liegen zudem in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In Bundesländern ohne ausgewiesene Risikogebiete traten vereinzelt autochthone FSME-Fälle auf, sodass auch dort während der Zeckensaison bei entsprechender Symptomatik differenzialdiagnostisch an FSME gedacht werden sollte. Im Jahr 2025 wurden dem RKI 693 FSME-Erkrankungen übermittelt – die dritthöchste Zahl seit Beginn der Erfassung im Jahr 2001. Nach dem bisherigen Höchststand von 718 Fällen im Jahr 2020 lag die Fallzahl damit erneut auf sehr hohem… 

Nährstoff-Timing beeinflusst Genaktivität im Fettgewebe

Ob morgens eher Kohlenhydrate oder Fette auf dem Speiseplan stehen, könnte den Stoffwechsel nachhaltig beeinflussen. Forschende des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben erstmals am Menschen gezeigt, dass die zeitliche Verteilung von Kohlenhydraten und Fetten die Aktivität von mehr als tausend Genen im Unterhautfettgewebe über den Tag hinweg verändert. Betroffen sind vor allem Gene, die Zucker- und Fettstoffwechsel sowie Entzündungsprozesse steuern. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal Food Research International. Der menschliche Stoffwechsel folgt zirkadianen Rhythmen – 24-Stunden-Zyklen, die von der inneren Uhr gesteuert werden. Viele Prozesse wie Zuckeraufnahme, Fettverbrennung oder Hormonfreisetzung schwanken im Tagesverlauf. Werden Nährstoffe außerhalb der biologisch optimalen Zeitfenster aufgenommen, könnte das langfristig Stoffwechselstörungen begünstigen. Das junge Forschungsgebiet der Chrononutrition untersucht genau diese Zusammenhänge, um Essenszeiten gezielt zu optimieren und chronische Erkrankungen wie Adipositas oder Typ-2-Diabetes vorzubeugen. In einer kontrollierten Crossover-Studie…