Bei Multipler Sklerose (MS) kommt es nicht nur zu Entmarkung und Nervenzellverlust, sondern auch zu einem deutlichen Rückgang der Synapsen. Dies konnten Forschende nun erstmals sowohl in präklinischen Modellen als auch bei MS-Patienten mithilfe der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) nachweisen.
Die Studie, die in der Fachzeitschrift Journal of Nuclear Medicine veröffentlicht wurde, nutzte einen speziellen PET-Tracer, der die Dichte von Synapsen im Gehirn sichtbar macht. Sowohl bei Mäusen mit experimenteller autoimmuner Enzephalomyelitis (EAE) als auch bei Menschen mit MS zeigten sich signifikante synaptische Verluste – insbesondere in Hirnregionen, die mit kognitiven Funktionen in Zusammenhang stehen.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der synaptische Verlust ein eigenständiger und früher Bestandteil der MS-Pathologie ist und nicht nur eine Folge späterer axonaler Schäden. Die PET-Bildgebung ermöglichte es erstmals, diese Veränderungen nicht-invasiv und über die Zeit hinweg zu verfolgen.
Die Forschenden sehen in der Methode ein vielversprechendes Instrument, um den Krankheitsverlauf besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln, die gezielt den Erhalt oder die Wiederherstellung von Synapsen anstreben. Bislang konzentriert sich die MS-Therapie vor allem auf die Hemmung der Entzündung und der Entmarkung. Die neuen Befunde unterstreichen jedoch die Bedeutung neurodegenerativer Prozesse auf Synapsenebene.
