KOPENHAGEN, 30. August (LabNews Media LLC) – Wer nach der Diagnose Typ-2-Diabetes früh ein Statin beginnt, hat in dänischen Registerdaten über zehn Jahre ein um 15 Prozent niedrigeres relatives Demenzrisiko als ohne Statin. Ein späterer Start zwischen Jahr eins und fünf war mit minus 10 Prozent verbunden. Das berichtet Tummas Ternhamar vom Kopenhagener Universitätskrankenhaus auf dem ESC-Kongress; die Arbeit erscheint in The Lancet Regional Health – Europe.
Aus dänischen Registern wurden 132.585 zuvor statinnaive Personen identifiziert, bei denen zwischen 2006 und 2019 Typ-2-Diabetes neu auftrat. Nachbeobachtung bis Ende 2021, median 7,1 Jahre. Demenz jeder Ursache wurde aus den Akten gelesen. Ein Clone-Censor-Weight-Design sollte eine randomisierte Studie nachbilden: keine Statingabe binnen fünf Jahren, Start binnen eines Jahres oder Start zwischen einem und fünf Jahren. Frauen und Männer zeigten ähnliche Muster. 2,7 Prozent entwickelten eine Demenz.
Die Lancet-Kommission zählt hohes LDL-Cholesterin ab der Lebensmitte zu den beeinflussbaren Demenzfaktoren, ebenso Diabetes. Statine senken LDL und schützen vor Arteriosklerose; ein möglicher Pfad wäre weniger Gefäßschäden im Gehirn. Das beweist die Studie nicht. Beobachtungsdaten können gesündere oder enger betreute Patientinnen und Patienten bevorzugen, auch wenn das Design bekannte Verzerrungen dämpfen soll.
Statine gelten bei Typ-2-Diabetes ohnehin zur Vorbeugung von Infarkt und Schlaganfall als untergenutzt. Die neuen Zahlen sind ein zusätzliches Argument für rechtzeitige Therapie bei hohem LDL – kein Freibrief, Statine allein gegen Demenz zu verschreiben. Dafür braucht es randomisierte Studien. Weil die Mittel billig und verfügbar sind, bleibt die praktische Frage, warum der Start nach der Diabetesdiagnose oft verzögert wird.
