Philadelphia. Spezialisierte Tabletten gegen Blutkrebs werden in den Vereinigten Staaten häufig erst abgelehnt und später oft nicht eingelöst. Das zeigt eine Auswertung von Abrechnungsdaten der Perelman School of Medicine an der University of Pennsylvania im Journal of Clinical Oncology. Untersucht wurden 12.134 Patientinnen und Patienten, denen 2022 erstmals solche Mittel verschrieben worden waren. 61 Prozent waren bei Medicare versichert, 39 Prozent privat.
Orale Spezialpräparate gegen Leukämien, Lymphome und das multiple Myelom werden über die Arzneimittelversorgung abgerechnet. Apotheken reichen das Rezept bei der Kasse ein. Die Forschenden verfolgten, ob die Kasse innerhalb von 90 Tagen zustimmte und ob das Mittel in dieser Frist abgeholt wurde.
Bei der ersten Einreichung lehnten die Kassen 64,9 Prozent der Medicare-Rezepte und 84,0 Prozent der Privatversicherungsrezepte ab. Nach 90 Tagen lagen die Genehmigungsquoten bei 85,0 Prozent für Medicare und 62,8 Prozent für Privatversicherte. Häufige Gründe waren eine vorgeschriebene Vorabgenehmigung und fehlende Erstattung im Tarif. Bei Medicare scheiterten zunächst 32,1 Prozent an der Vorabgenehmigung. Nach 90 Tagen waren es noch 4,6 Prozent. Bei Privatversicherten lagen die Quoten zunächst bei 27,8 Prozent wegen Vorabgenehmigung und 17,1 Prozent wegen fehlender Erstattung, nach 90 Tagen bei 6,9 und 8,0 Prozent. Ob einzelne Ablehnungen medizinisch begründet waren, ließ sich aus den Daten nicht erkennen.
Genehmigung und Abholung zusammen erreichten am Ende 54,5 Prozent der Medicare-Patienten und 45,5 Prozent der Privatversicherten. Direkt nach der ersten Einreichung waren es nur 9,6 beziehungsweise 4,0 Prozent. Unter den genehmigten Rezepten sank die Einlösung mit der Zuzahlung. Bei Medicare lagen die Quoten bei 84,9 Prozent bis 15 US-Dollar und bei 29,2 Prozent zwischen 500,01 und 2000 US-Dollar. Bei Privatversicherten waren es 80 Prozent bis 15 US-Dollar und 21,6 Prozent über 2000 US-Dollar. Ab etwa 175 US-Dollar fielen die Quoten deutlich. Adjustierte Auswertungen änderten das Bild kaum.
Die Arbeit wurde von Blood Cancer United finanziert, der früheren Leukemia & Lymphoma Society, und entstand mit Forschenden des MD Anderson Cancer Center, der Yale University und der Columbia University. Die Erstautorin Jalpa A. Doshi gibt Zuwendungen von Janssen sowie Beratungstätigkeit für AbbVie und Merck an. Die Studie beschreibt den US-Markt 2022 und sagt nichts über die klinische Angemessenheit einzelner Ablehnungen.
