Die meisten großen Verlage haben mittlerweile Richtlinien für künstliche Intelligenz (KI), doch diese sind voller Widersprüche. Eine Fachzeitschrift verlangt die Verwendung jeder einzelnen Eingabeaufforderung und Softwareversion; eine andere fordert lediglich Ehrlichkeit. Diese Inkonsistenz lässt Wissenschaftler in einer Grauzone zurück, da sie unsicher sind, ob die Verwendung von KI-gestützter Rechtschreibprüfung ethisch vertretbar ist. Schlimmer noch: Große Sprachmodelle sind berüchtigte „Halluzinatoren“, die mit Sicherheit plausible, aber völlig falsche Zitate oder wissenschaftlichen Unsinn generieren. Hinzu kommt das Datenschutzproblem: die Weitergabe unveröffentlichter Patientendaten an einen öffentlichen Chatbot. Aufgrund dieser Risiken ist ein klarer, einheitlicher und praxisorientierter Rahmen dringend erforderlich, der Forschern Orientierung gibt, ohne sie für die Nutzung moderner Werkzeuge zu bestrafen.
Forscher unter der Leitung von Experten des Ersten Universitätsklinikums der Shenzhen-Universität (China) veröffentlichten am 10. März 2026 in der Fachzeitschrift „ Regenesis Repair Rehabilitation“ neue Richtlinien . Beteiligt war ein multidisziplinäres internationales Expertengremium mit Beiträgen von Universitäten, Krankenhäusern und Verlagen aus China, Italien, Japan, Kanada, Australien und anderen Ländern (DOI: 10.1016/j.rerere.2026.02.001). Das Team prüfte zunächst die KI-Regeln von 15 großen Verlagen, darunter Elsevier und das JAMA Network. Dabei stellten sie zwar weitgehende Übereinstimmung in den Prinzipien fest, jedoch herrschte in der Praxis Chaos. Mithilfe eines strukturierten Delphi-Verfahrens erarbeiteten sie einen Konsens, der sich an reale Forschungsabläufe anpasst. Daraus resultierte eine einfache Checkliste, anhand derer Autoren detailliert darlegen können, wie sie KI eingesetzt haben. Die neuen Regeln ziehen eine klare Grenze: KI kann zwar die Grammatik korrigieren, aber nicht die Daten verändern. Die Richtlinien verbieten strikt die Verwendung generativer KI zur Erstellung oder Manipulation von primären Forschungsbildern, einschließlich Mikroskopie-, Gel- und Durchflusszytometrie-Diagrammen. Bei Referenzen gilt eine klare Botschaft: Lassen Sie diese nicht von KI generieren. Die Tools neigen zu oft dazu, Autoren, Zeitschriftennamen und DOIs zu erfinden. Für unterstützende Aufgaben wie das Zusammenfassen einer Diskussion oder das Überarbeiten eines Abstracts ist KI jedoch zulässig, sofern jede Angabe von einem Menschen überprüft wird. Besonders hervorzuheben sind die abschnittsspezifischen Richtlinien. Im Methodenteil kann KI die Lesbarkeit verbessern, aber keine fehlenden Schritte erfinden. Im Ergebnisteil kann der Text überarbeitet werden, die Zahlen selbst müssen jedoch aus echten Experimenten stammen. Für nicht-datenbasierte Visualisierungen wie Workflow-Diagramme ist KI erlaubt, muss aber vollständig offengelegt werden. Die Autoren setzen ihre eigenen Empfehlungen sogar in die Praxis um und nutzen Gemini und ChatGPT während des Schreibprozesses – allerdings nur für Sprache und Struktur, niemals für die eigentliche wissenschaftliche Arbeit. Die Schlussfolgerung ist einfach: KI ist eine leistungsstarke Unterstützung, aber der menschliche Autor bleibt der alleinige, verantwortliche Autor.

