München (LabNews Media LLC) – Präventive Medizin stößt in der Praxis auf erhebliche Hürden. Zu diesem Ergebnis kommt eine großangelegte Befragung von FOCUS-Gesundheit unter knapp 8.500 Fachärztinnen und Fachärzten aus 126 Indikations- und Fachgebieten.
Rund ein Viertel der Befragten sieht unzureichende Versicherungsleistungen für Präventionsmaßnahmen als zentrales Hindernis. Ebenfalls etwa ein Viertel nennt Zeitmangel in der Konsultation als Problem. Weiterbildungsmöglichkeiten für Ärzte werden hingegen mehrheitlich als ausreichend bewertet.
60 Prozent der Ärztinnen und Ärzte bewerben Früherkennungsmaßnahmen bei ihren Patienten immer oder häufig. Knapp 80 Prozent nehmen sich immer oder häufig Zeit, um mit Patienten über einen gesunden Lebensstil zu sprechen. Dabei empfehlen sie am häufigsten Bewegung. Nur 42 Prozent führen jedoch eine geschlechtsspezifische Risikobewertung durch. Als größte Hürde hierfür nennen die Befragten fehlende Leitlinien.
94 Prozent der Ärztinnen und Ärzte sehen in der mentalen Gesundheit einen sehr großen Faktor für den Therapieerfolg. Dennoch sprechen nur 19 Prozent ihre Patienten immer aktiv auf deren mentale Gesundheit an.
Die Befragung wurde im Rahmen der Datenerhebung für die Top-Ärzteliste 2026 durchgeführt. Sie zeigt, dass der demografische Wandel und die steigende Lebenserwartung das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen stellen. Viele Menschen verbringen ihre letzten Lebensjahre häufiger in Krankheit, obwohl Prävention bis zu 17 Prozent der Todesfälle vor dem 75. Lebensjahr verhindern könnte.
Beim Live-Event „Medizin der Zukunft“ von FOCUS-Gesundheit am 20. Mai 2026 in München wurden die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert. Experten aus Klinik, Krankenkassen und Präventionsforschung betonten die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels von reiner Krankheitsbehandlung hin zu einer stärkeren Präventionsorientierung. Besonders hervorgehoben wurden die Bedeutung personalisierter Ansätze, kontinuierlicher Betreuung und die Berücksichtigung geschlechterspezifischer Unterschiede.
Die Befragung unterstreicht die zentrale Rolle der Ärzteschaft bei der Umsetzung präventiver Maßnahmen und zeigt zugleich strukturelle und organisatorische Barrieren auf. Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des deutschen Gesundheitswesens in Richtung einer präventionszentrierten und patientenorientierten Medizin.


