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Malaria hinterlässt bleibende Schäden an Fresszellen der Milz

Bonn/Melbourne – Eine Malaria-Infektion schädigt dauerhaft bestimmte ansässige Makrophagen in der Milz. Die betroffenen CD163-Makrophagen, die abgestorbene rote Blutkörperchen beseitigen, Eisen recyceln und mit anderen Immunzellen kommunizieren, erholen sich auch Monate nach der Infektion nicht vollständig. Das zeigt eine Studie unter Leitung der Universität Bonn und des Peter Doherty Institute in Melbourne, die in der Fachzeitschrift Immunity veröffentlicht wurde (DOI: 10.1016/j.immuni.2026.07.006). Makrophagen treten in zwei Formen auf: ansässige Zellen, die bereits im Embryo entstehen und sich durch Teilung erneuern, sowie nachwachsende Zellen aus dem Knochenmark. In der Blutphase der Malaria werden die CD163-Makrophagen der Milz stark dezimiert. Nachrückende Knochenmarkzellen ersetzen sie nur unvollständig und erreichen nicht denselben Spezialisierungsgrad. Dadurch bleiben Architektur und Kommunikationsnetzwerke der Milz nachhaltig gestört. Folgeinfektionen verlaufen dann schwerer: Es finden sich mehr Parasiten im Blut, und die Anämie hält länger an. Die Forschenden um Professorin Elvira Mass… 

Cambridge-Forscher stellt Rahmenwerk „Medicine 4.0“ vor

Cambridge – Der nächste Entwicklungsschritt der Medizin sollte nicht nur auf Prävention und Verlängerung gesunder Lebensjahre setzen, sondern vor allem den radikalen Zugang zu medizinischer Versorgung und wissenschaftlichem Wissen in den Mittelpunkt stellen. Das fordert Dr. Chris Macdonald, Fellow am Lucy Cavendish College der University of Cambridge, in einem Beitrag in der Fachzeitschrift Frontiers in Medicine (DOI: 10.3389/fmed.2026.1903811). Während „Medicine 3.0“ vor allem darauf abziele, Krankheiten zu verhindern und die gesunde Lebensspanne zu verlängern, bleibe der Zugang zu Therapien und wissenschaftlichen Ideen oft eingeschränkt. Medicine 4.0 ergänze dies um eine dritte Dimension: revolutionären Zugang. Medizinischer Fortschritt solle nicht allein an der Fortschrittlichkeit der Technologien gemessen werden, sondern daran, wie weit diese Fortschritte geteilt und wie frei transformative wissenschaftliche Ideen erforscht werden können. Macdonald warnt, dass digitale Gesundheitsangebote bestehende Ungleichheiten verstärken können, wenn sie hinter Bezahlschranken stehen. Gesundheitssysteme bräuchten Anreize, die… 

Diagnosen von Schwangerschaftsdiabetes in England stark gestiegen

Edinburgh – In England wird inzwischen jede achte Schwangere mit Gestationsdiabetes diagnostiziert. Die Zahl der Diagnosen stieg innerhalb von fünf Jahren um 60 Prozent – von rund acht Prozent der Schwangerschaften im Jahr 2018 auf mehr als zwölf Prozent im Jahr 2022. Das zeigt eine Analyse von NHS-Daten unter Leitung der University of Edinburgh, die in BMJ Medicine veröffentlicht wurde (DOI: 10.1136/bmjmed-2025-002412). Die Forschenden werteten Daten von mehr als 2,3 Millionen Müttern und 2,8 Millionen Geburten an 184 Kliniken in England aus. Die stärksten Anstiege fanden sich bei asiatischen Frauen (rund 23 Prozent) und bei Frauen in den sozial am stärksten benachteiligten Gebieten (rund 14 Prozent). Gestationsdiabetes entsteht, wenn der Körper in der Schwangerschaft nicht genügend Insulin produziert. Er ist die häufigste Schwangerschaftskomplikation und erhöht das Risiko für Frühgeburten, Notfallkaiserschnitte sowie für zu große oder zu kleine Neugeborene. Langfristig steigt… 

Explainer: Kürzungen bei der ambulanten Psychotherapie durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG)

Explainer: Kürzungen bei der ambulanten Psychotherapie durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG)

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (oft als GKV-Sparpaket oder Beitragssatzstabilisierungsgesetz bezeichnet) wurde am 10. Juli 2026 von Bundestag und Bundesrat verabschiedet. Es zielt darauf ab, die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu begrenzen und Beitragssatzsteigerungen zu dämpfen. Ein zentraler Baustein betrifft die ambulante Psychotherapie. Parallel dazu gab es bereits im März 2026 eine separate Honorarkürzung. Die Maßnahmen wirken kumulativ und betreffen vor allem die Vergütungssystematik ab 2027. Die beiden Ebenen der Einschnitte 1. Honorarkürzung um 4,5 Prozent (Beschluss Erweiterter Bewertungsausschuss, 11. März 2026)Ab dem 1. April 2026 sollten die Honorare für die meisten psychotherapeutischen Leistungen (EBM-Abschnitt 35.2.1, inklusive Sprechstunde, Akutbehandlung und Richtlinientherapie) um 4,5 Prozent abgesenkt werden. Gleichzeitig wurden Strukturzuschläge für Personalkosten rückwirkend zum 1. Januar 2026 um rund 14–14,5 Prozent angehoben. Der Netto-Effekt lag nach Angaben der Beteiligten bei etwa 2,3 bis 3,5 Prozent. Begründung der Krankenkassen-Seite: Die Honorare der Psychotherapeuten seien… 

Prisca Merz wird neue Geschäftsführerin der TU9-Allianz

Berlin – Prisca Merz hat die Geschäftsführung der TU9-Allianz, des Verbunds führender Technischer Universitäten Deutschlands, übernommen. Sie folgt auf Dr. Stephanie Christmann-Budian, die das Hauptstadtbüro der Allianz bis Mai 2026 geleitet hatte. Merz verfügt über Erfahrung im Wissenschafts- und Politikmanagement. Zuletzt war sie Teamleiterin und Policy Officer für Wirtschafts- und Sozialpolitik an der Britischen Botschaft in Berlin. Zuvor betreute sie am Imperial College London Kooperationen mit Europa und Lateinamerika. Sie studierte Europäische Studien in Passau und Italien und absolvierte einen Master in Public Policy an der Universität Maastricht. Weitere Stationen umfassen die argentinische NGO CADAL und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen. Die TU9-Co-Präsidentinnen und -Präsidenten, Prof. Dr. Angela Ittel (TU Braunschweig) und Prof. Dr.-Ing. Peter Middendorf (Universität Stuttgart), würdigten Merz als Verstärkung mit europäischen Perspektiven, strategischem Denken und Erfahrung in der Hochschulpolitik. Zur TU9-Allianz gehören die RWTH Aachen,… 

Meilenstein bei der Entschlüsselung des Darmmikrobioms

Wien – Forschende der Universität Wien haben Strategien entwickelt, mit denen sich tausende mikrobielle Proteine und zugleich Proteine des Wirts in komplexen Darmproben messen lassen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht (DOI: 10.1038/s41467-026-75845-5). Das Darmmikrobiom mit seinen Billionen Mikroorganismen beeinflusst Verdauung, Stoffwechsel und Immunsystem. DNA-Sequenzierungen zeigen vor allem, welche Mikroben vorhanden sind und welche Funktionen sie theoretisch erfüllen könnten. Proteine hingegen verraten, welche Prozesse tatsächlich ablaufen und wie der Wirt darauf reagiert. Die Analyse ist technisch anspruchsvoll, weil die Proben Proteine von Hunderten Organismen in extrem unterschiedlichen Konzentrationen enthalten. Das Team um Feng Xian, David Gomez-Varela und Manuela Schmidt verglich fünf moderne massenspektrometrische Verfahren an menschlichen Stuhlproben. Die leistungsfähigsten Methoden erfassten koordinierte Veränderungen mikrobieller Funktionen parallel zur Reparaturreaktion des Wirts während Ausbruch und Abheilung einer Darmentzündung. Seit 2024 bündelt das Bruker Daltonics Center of Excellence für Metaproteomik… 

Glykomik liefert Krankheits-Signaturen aus Kohortenstudien

Eine Übersichtsarbeit fasst Fortschritte der Glykomik zusammen und zeigt, wie veränderte Zuckerstrukturen an Proteinen und Lipiden mit Erkrankungen zusammenhängen. Die Arbeit erschien in Frontiers of Medicine (DOI: 10.1007/s11684-026-1250-y). Glykane zählen zu den häufigsten und vielfältigsten Biomolekülen. Sie beeinflussen Proteinfaltung, Stabilität, Transport und Funktion sowie Zell-Zell-Kommunikation und Immunerkennung. Veränderungen der Glykosylierungsmuster sind bei nahezu allen großen Krankheitsgruppen beschrieben – von Krebs über Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis zu Autoimmunleiden. Technologische Fortschritte, vor allem massenspektrometrische Verfahren, ermöglichen inzwischen großangelegte Glykomik-Studien. Kohortenuntersuchungen zeigen auffällige Zusammenhänge: veränderte Glykosylierung als Kennzeichen von Krebs, bestimmte IgG-Glykosylierungsmuster als Biomarker für kardiovaskuläres Risiko sowie Glykosylierungsveränderungen, die dem klinischen Ausbruch der rheumatoiden Arthritis vorausgehen. Zwillingsstudien belegen eine substanzielle Erblichkeit vieler Glykan-Merkmale; genomweite Assoziationsstudien haben spezifische genetische Loci identifiziert. Translationales Potenzial liegt in der früheren Krankheitserkennung, der Prognose und der Therapieauswahl. Mehrere glykanbasierte Tests sind bereits für die Krebsdiagnostik und -überwachung zugelassen. Therapeutisches… 

Cortison-Augentropfen könnten Sehvermögen extrem Frühgeborener schützen

Göteborg – Cortison-Augentropfen können den Verlauf einer schweren Frühgeborenen-Retinopathie (ROP) abmildern und den Bedarf an invasiven Behandlungen senken. Das deutet die weltweit erste randomisierte klinische Studie zu diesem Ansatz an. Die Ergebnisse der schwedischen Multicenter-Studie DROPROP erschienen in JAMA Pediatrics (DOI: 10.1001/jamapediatrics.2026.3247). ROP entsteht, wenn sich die Netzhautgefäße extrem Frühgeborener krankhaft entwickeln. In schweren Fällen sind bislang Laserbehandlungen oder Injektionen ins Auge nötig, um Erblindung zu verhindern. Weltweit erblinden jährlich rund 35.000 Kinder an den Folgen der Erkrankung. An der Studie nahmen 100 Kinder teil, die vor der 30. Schwangerschaftswoche geboren worden waren und eine schwere, aber noch nicht behandlungsbedürftige ROP aufwiesen. Sie erhielten randomisiert entweder Dexamethason-Augentropfen oder Placebo. In der Dexamethason-Gruppe entwickelten 20 Prozent eine behandlungsbedürftige ROP, in der Placebo-Gruppe 38 Prozent. Das entspricht einer relativen Risikoreduktion von 47 Prozent. Der Unterschied erreichte keine statistische Signifikanz, zeigte jedoch einen… 

X-Chromosom-Inaktivierung als Ansatzpunkt für Therapien

Eine neue Übersichtsarbeit fasst Fortschritte zum Verständnis der X-Chromosom-Inaktivierung (XCI) zusammen und beleuchtet mögliche therapeutische Strategien bei X-chromosomal bedingten Erkrankungen. Dazu zählen unter anderem das Rett-Syndrom, Morbus Fabry, Duchenne-Muskeldystrophie und Hämophilie. Die Arbeit erschien in der Fachzeitschrift Genes & Diseases (DOI: 10.1016/j.gendis.2025.101964). Die XCI sorgt bei weiblichen Säugetieren dafür, dass in jeder Zelle eines der beiden X-Chromosomen stillgelegt wird, um die Gendosis an die der männlichen Zellen mit nur einem X-Chromosom anzupassen. Gesteuert wird der Prozess unter anderem durch die lange nicht-kodierende RNA XIST, die epigenetische Regulatoren rekrutiert und das Chromatin verdichtet. Eine verzerrte (skewed) XCI, bei der bevorzugt eines der beiden X-Chromosomen inaktiviert wird, beeinflusst die Schwere X-chromosomaler Erkrankungen bei weiblichen Trägerinnen. Beim Rett-Syndrom etwa kann die bevorzugte Stilllegung des mutierten MECP2-Allels die Symptome abmildern oder asymptomatisch halten, während die Inaktivierung des gesunden Allels den Verlauf verschlechtert. Ähnliche Zusammenhänge… 

Is Art Political Again?

Is Art Political Again?

Art has never been neutral. It only pretends to be when the times are quiet enough to allow the illusion. In calmer decades, the market preferred the decorative, the abstract, the safely personal. Then history returns with its old appetite for blood and power, and suddenly the question resurfaces with force: must art take a side? Must it name the forces that shape our lives, or may it remain a private aesthetic exercise? Marita Vollborn’s bronze sculpture ARES offers a clear, uncompromising answer. Created in 2015 and now cast in a limited edition, the work stands roughly 34 by 29 by 30 centimetres. It depicts the Greek god of war not as a heroic ideal but as a raw, menacing, almost bestial presence — the embodiment of unrestrained violence, militarism and the greed that feeds on conflict. Vollborn, born in…