Silver Spring – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat mit Rasonque (Wirkstoff Daraxonrasib) die erste zielgerichtete Therapie ihrer Klasse gegen metastasiertes duktales Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse zugelassen. Das Mittel der Firma Revolution Medicines ist eine einmal täglich einzunehmende Tablette und hemmt mehrere Formen des Proteins RAS.
Zugelassen ist das Präparat für Erwachsene mit metastasierter Erkrankung, die bereits mindestens eine systemische Therapie erhalten haben oder für eine Mehrfach-Chemotherapie nicht in Frage kommen. Die Entscheidung fiel 6,5 Monate vor der gesetzlichen Frist. Das Mittel hatte zuvor den Status als Breakthrough Therapy und Orphan Drug sowie eine vorrangige Prüfung erhalten. Bereits im Mai hatte die FDA einen erweiterten Zugang für Patientinnen und Patienten vor der Zulassung ermöglicht.
Laut FDA verbessern sich die Überlebenszeiten deutlich. In einer randomisierten, offenen, multizentrischen Studie mit 500 vorbehandelten Erwachsenen lag das mediane Gesamtüberleben unter Rasonque bei 13,2 Monaten, unter Standardchemotherapie bei 6,7 Monaten. Häufige Nebenwirkungen sind Hautausschlag, Durchfall, Mundschleimhautentzündung, Übelkeit, Müdigkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Ödeme, Appetitlosigkeit und Blutungen.
Hintergrund
Das duktale Adenokarzinom macht nach Angaben des National Cancer Institute 90 bis 95 Prozent der rund 67.000 neuen Bauchspeicheldrüsenkrebs-Fälle pro Jahr in den USA aus. Der Tumor verursacht nur etwa 3,2 Prozent aller Krebsdiagnosen, aber einen überproportional hohen Anteil der Krebstodesfälle. Ursache sind die späte Entdeckung, der aggressive Verlauf und bisher begrenzte Therapieoptionen. RAS-Mutationen treiben das Wachstum bei den meisten Betroffenen an; eine wirksame direkte Hemmung galt lange als schwer erreichbar.
Bewertung
Die Zulassung schließt eine echte therapeutische Lücke: Erstmals steht nach Versagen der Ersttherapie ein RAS-gerichtetes orales Mittel zur Verfügung, das in einer kontrollierten Studie das mediane Überleben gegenüber Chemotherapie fast verdoppelt. Das ist für diese Erkrankung ein relevanter Fortschritt.
Gleichzeitig bleiben Grenzen. Die Studie war offen und umfasste vorbehandelte Metastasenpatienten, nicht die Erstlinie und nicht resektable frühere Stadien. Ein medianes Überleben von 13,2 Monaten bedeutet eine Verlängerung, keine Heilung. Nebenwirkungen wie Entzündungen der Schleimhäute, Durchfall und Blutungen müssen in der Versorgung eng überwacht werden. Ob der Nutzen in der breiten klinischen Praxis und bei weiteren RAS-getriebenen Tumoren ähnlich ausfällt, ist noch offen. Für die Onkologie ist die Entscheidung gleichwohl ein Signal, dass das lange als „undruggable“ geltende Ziel RAS therapeutisch greifbar geworden ist.
