Berlin – Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) hat einen Policy Brief zum KI-basierten Software-Engineering veröffentlicht. Darin warnt sie vor Abhängigkeiten von außereuropäischen Plattformen und technischen Risiken, sieht aber zugleich enorme Chancen für Produktivitätssteigerungen.
Software bildet die Grundlage für wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Innovation in nahezu allen deutschen Leitindustrien. Der Einsatz von generativer und agentischer KI, einschließlich sogenanntem Vibe Coding, verspricht eine deutliche Beschleunigung und Vereinfachung der Softwareentwicklung – auch für Nicht-Informatiker. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen. Über 80 Prozent der deutschen Unternehmen fühlen sich von außereuropäischen Software- und KI-Plattformen abhängig. Dies birgt Risiken für IT-Sicherheit und wirtschaftliche Souveränität. Zudem können KI-generierter Code strukturelle Fehler, Sicherheitslücken und ungeklärte Urheberrechtsfragen mit sich bringen.
KI verändert grundlegend, wie Software entwickelt, geprüft und betrieben wird. Der Schwerpunkt verschiebt sich von routinemäßigen Programmiertätigkeiten hin zu komplexen Aufgaben wie Architektur und systematischen Prüfverfahren.
Die GI empfiehlt daher unter anderem den Aufbau und die nachhaltige Finanzierung bundesweiter Kompetenzzentren für KI-basiertes Software-Engineering. Diese sollen als Plattformen für Forschung, industrielle Pilotierung, Zertifizierung und Werkzeugentwicklung dienen. Weiterhin fordert sie den Ausbau von Vertrauensinfrastrukturen und die konsequente Weiterentwicklung von Standards für sichere, datenschutzfreundliche, nachvollziehbare und auditierbare KI-basierte Software.
Zusätzlich plädiert die GI für eine ressortübergreifende Leitinitiative, die KI-basiertes Software-Engineering (AI4SE) und Software-Engineering für KI-Systeme (SE4AI) verzahnt und Forschung, industrielle Umsetzung, Standardisierung, Ausbildung sowie Transfer stärkt.
Software-Engineering müsse als Schlüsselkompetenz im digitalen Zeitalter in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft gestärkt werden. Besonders in Forschung und Unternehmen sei die Validierbarkeit von KI-Ergebnissen entscheidend. Dazu seien angepasste Aus- und Weiterbildungsangebote notwendig.
Der Policy Brief entstand in Zusammenarbeit verschiedener GI-Experten und wird vom Fachbereich Softwaretechnik sowie dem Wirtschaftsbeirat der GI unterstützt.
