In einer randomisierten Phase-3-Studie erwies sich Rituximab als nicht unterlegen gegenüber Ocrelizumab bei der Unterdrückung von Krankheitsaktivität bei Patienten mit neu diagnostizierter schubförmiger Multipler Sklerose und rezenter Aktivität. Die beiden Anti-CD20-Antikörper zeigten vergleichbare Effekte auf neue oder vergrößernde T2-Läsionen im MRT sowie auf klinische Endpunkte.
Hintergrund
Anti-CD20-Antikörper gelten als wirksame Therapieoption bei schubförmiger Multipler Sklerose. Ocrelizumab ist in dieser Indikation zugelassen, Rituximab wird off-label eingesetzt. Bisher fehlten direkte Vergleichsdaten bei neu diagnostizierten Patienten. Die OVERLORD-MS-Studie untersuchte erstmals in einem doppelblinden, randomisierten Design, ob das deutlich kostengünstigere Rituximab dem etablierten Ocrelizumab nicht unterlegen ist.
Studiendesign
In der multizentrischen, doppelblinden Nichtunterlegenheitsstudie wurden Erwachsene mit neu diagnostizierter schubförmiger Multipler Sklerose und rezenter Krankheitsaktivität im Verhältnis 3:2 randomisiert. Die Teilnehmer erhielten über 24 Monate alle sechs Monate entweder Rituximab oder Ocrelizumab. Primärer Endpunkt war das Fehlen neuer oder vergrößernder T2-Läsionen im MRT zwischen Monat 6 und 24. Die Nichtunterlegenheitsgrenze war auf eine untere Grenze des 95%-Konfidenzintervalls für die Risikodifferenz von mindestens ?10 Prozentpunkten festgelegt.
Ergebnisse
Zwischen Monat 6 und 24 lag die geschätzte Wahrscheinlichkeit für das Ausbleiben neuer oder vergrößernder T2-Läsionen bei 92,2 % unter Rituximab und 94,8 % unter Ocrelizumab. Die Risikodifferenz betrug ?2,6 Prozentpunkte (95 %-Konfidenzintervall: ?9,4 bis 4,3) und erfüllte damit das Kriterium der Nichtunterlegenheit. Relapsraten, Behinderungsverläufe und kognitive Leistungen waren in beiden Gruppen vergleichbar.
Sicherheit
Infektionen traten unter Rituximab häufiger auf (82 % vs. 69 %). Der Anteil schwerwiegender unerwünschter Ereignisse war jedoch ähnlich (8 % vs. 7 %).
Bedeutung
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Rituximab bei neu diagnostizierter schubförmiger Multipler Sklerose eine vergleichbar wirksame und sichere Behandlungsoption darstellen kann. Dies könnte insbesondere in Gesundheitssystemen mit begrenzten Ressourcen relevante Implikationen für die Therapiewahl haben. Weitere Langzeitdaten und Studien in anderen Populationen werden benötigt, um die Übertragbarkeit zu bestätigen.
FAQ
Was bedeutet „noninferior“ in dieser Studie?
Rituximab war nicht schlechter als Ocrelizumab hinsichtlich der Unterdrückung neuer MRT-Läsionen innerhalb der festgelegten Nichtunterlegenheitsgrenze.
Für welche Patientengruppe gilt das Ergebnis?
Für Erwachsene mit neu diagnostizierter schubförmiger Multipler Sklerose und nachweisbarer rezenter Krankheitsaktivität.
Wie unterscheiden sich die beiden Wirkstoffe?
Beide sind Anti-CD20-Antikörper, die B-Zellen deplelieren. Rituximab ist älter und kostengünstiger, Ocrelizumab ist speziell für Multiple Sklerose zugelassen.
Gab es Unterschiede bei Nebenwirkungen?
Infektionen waren unter Rituximab häufiger, schwerwiegende Ereignisse traten jedoch ähnlich oft auf.
Quelle
10.1056/NEJMoa2600993
