BASEL/SHANGHAI, 28. August (LabNews Media LLC) – Die Roche-Tochter Genentech zahlt DualityBio 45 Millionen Dollar sofort und stellt mehr als eine Milliarde Dollar an möglichen Entwicklungs-, Zulassungs- und Vermarktungsmeilensteinen in Aussicht. Hinzu kommen gestaffelte Umsatzbeteiligungen. Ziel sind Antikörper-Wirkstoff-Konjugate der nächsten Generation gegen Krebs.
Im Mittelpunkt steht DualityBios Plattform DUPAC. Sie soll Wirkstoffladungen mit anderem Mechanismus liefern als die heute häufig genutzten Topoisomerase-1-Hemmer. Viele zugelassene ADCs setzen auf genau diese Klasse. Mit deren Vorrücken in frühere Therapielinien wächst nach Einschätzung der Partner der Bedarf an Optionen bei resistenten oder nicht mehr ansprechenden Tumoren. Die neuen Ladungen sollen laut DualityBio stark wirken, eine kurze Verweildauer im Körper haben und benachbarte Tumorzellen miterfassen können.
DualityBio entwickelt die Konjugate gegen von Genentech festgelegte Onkologieziele und führt Entdeckung sowie frühe globale klinische Entwicklung bis einschließlich Phase 1a. Danach übernimmt Genentech mit exklusiver weltweiter Lizenz die weitere Entwicklung und Vermarktung. Konkrete Tumorarten nannten die Unternehmen nicht.
Hintergrund
ADCs koppeln einen Antikörper an ein Zytostatikum, das erst an der Tumorzelle freigesetzt werden soll. Roche ist in dem Feld mit Präparaten wie Kadcyla und Polivy vertreten und lizenziert zusätzlich Plattformen zu. DualityBio sitzt in Shanghai, ist seit 2025 in Hongkong notiert und hat nach eigenen Angaben Studien in knapp 20 Ländern mit mehr als 3500 Patientinnen und Patienten. Bereits zuvor sicherte sich BioNTech Rechte an Duality-ADCs; weitere Partner sind unter anderem Avenzo.
Bewertung
Die Schlagzeile „über eine Milliarde Dollar“ beschreibt das Maximalpaket, nicht den heutigen Cash-Zufluss. 45 Millionen Dollar vorab sind für eine Plattformlizenz ohne benannte Phase-3-Kandidaten überschaubar. Der Deal kauft Roche vor allem optionalen Zugang zu einer Payload-Familie, falls Topoisomerase-ADCs an Resistenzgrenzen stoßen.
Ob DUPAC diese Resistenz klinisch überwindet, ist unbewiesen. Nach Phase 1a trägt Genentech das Kostenrisiko. Für DualityBio bestätigt die Allianz das Geschäftsmodell, Plattformen und frühe Programme an westliche Konzerne auszulizenzieren. Für Patientinnen und Patienten ändert sich vorerst nichts: Es handelt sich um eine Forschungskooperation, nicht um ein verfügbares Medikament.
