Wako – Ein Forscher des RIKEN Center for Brain Science hat anhand von 200 Jahren demografischer Daten aus 237 Ländern und Territorien zwei universelle mathematische Gesetzmäßigkeiten im Rückgang der Fertilität identifiziert. Die Studie, die in der Fachzeitschrift Evolutionary Human Sciences erschienen ist, beschreibt zwei Phasen des demografischen Übergangs, die unabhängig von geografischen, kulturellen und wirtschaftlichen Unterschieden beobachtet werden.
Kenji Itao untersuchte den Zusammenhang zwischen der rohen Geburtenrate und der Lebenserwartung bei Geburt. Er fand zwei deutlich unterschiedliche Phasen:
In der ersten Phase, die in europäischen Ländern bis etwa 1950 vorherrschte, gehen Verbesserungen der Lebenserwartung mit einem Rückgang der Geburtenrate einher, wobei das Bevölkerungswachstum weitgehend stabil bleibt. Diese Phase ist durch hohe Kindersterblichkeit und relativ hohe Fertilität gekennzeichnet.
In der zweiten Phase, die ab etwa 1950 in vielen Ländern einsetzte und von zahlreichen Entwicklungsländern teilweise direkt erreicht wurde, folgen Fertilität und Lebenserwartung einem anderen universellen Zusammenhang. In dieser Phase investieren Familien stärker in die Bildung und Qualifikation jedes einzelnen Kindes statt in eine hohe Kinderzahl. Gleichzeitig steigt das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.
Itao entwickelte ein theoretisches Modell, das den Übergang zwischen den beiden Phasen durch einen Trade-off zwischen Reproduktion und Bildungsinvestitionen erklärt. Demnach ist eine hohe Kinderzahl in Gesellschaften mit unsicherer Überlebenswahrscheinlichkeit vorteilhaft, während bei verbesserter Überlebenschance und wachsenden wirtschaftlichen Möglichkeiten eine stärkere Investition in die Bildung jedes Kindes ökonomisch sinnvoller wird.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Maßnahmen zur Senkung der wirtschaftlichen Belastung durch Kindererziehung und Bildung in entwickelten Ländern mit niedriger Fertilität helfen könnten, die Geburtenrate zu stabilisieren oder zu erhöhen, ohne Bildungsstandards zu senken.
Nach Einschätzung des Autors zeigen die Ergebnisse, wie Prinzipien der statistischen Physik genutzt werden können, um einfache universelle Gesetze in der Komplexität menschlicher Gesellschaften zu erkennen.
Itao K. Two universal pathways in demographic transition. Evol. Hum. Sci. doi:10.1017/ehs.2026.10054
