Charlottesville – Eine Zusatzbehandlung mit Lumateperon linderte in einer randomisierten Studie nicht nur depressive Symptome, sondern verbesserte gegenüber Placebo auch Messwerte der sexuellen Funktion. Das berichtet ein Team um Anita H. Clayton von der University of Virginia Health. Die Arbeit erschien im Journal of Clinical Psychiatry (DOI: 10.4088/JCP.26m16387). Mitautoren sind Willie R. Earley, Susan G. Kozauer, Yifan Mo, John B. Edwards und Suresh Durgam. Finanziert hat Intra-Cellular Therapies. Interessenkonflikte sind im Aufsatz aufgeführt.
Lumateperon ist von der US-Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) als Zusatz zugelassen, wenn eine übliche Antidepressivatherapie bei einer Major Depression (MDD) nicht ausreicht. Klassische Antidepressiva können Libido, Erregung und Orgasmus beeinträchtigen und so zum Abbruch führen. Die Studie prüfte deshalb gezielt die sexuelle Funktion.
480 Patientinnen und Patienten erhielten 43 Tage lang zusätzlich 42 Milligramm Lumateperon täglich oder Placebo. Depressionen wurden mit der Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale (MADRS) erfasst, die Sexualität mit dem Changes in Sexual Functioning Questionnaire mit 14 Fragen (CSFQ-14). Nach Angaben der Autoren sanken die MADRS-Werte unter Lumateperon signifikant stärker. Zugleich stiegen die CSFQ-14-Werte stärker als unter Placebo, und zwar bei Verlangen, Erregung, Orgasmus und Lustempfinden.
Zu Beginn hatten 82,5 Prozent der Teilnehmenden sexuelle Funktionsstörungen. Mehr als ein Viertel berichtete am Ende wieder über regelmäßige sexuelle Funktion. Wer zu Beginn keine Störung hatte, verschlechterte sich unter Lumateperon den Angaben zufolge nicht. Verbesserungen zeigten sich bei Frauen und Männern sowie in jüngeren und älteren Gruppen. Der Gewinn bei Verlangen und Befriedigung fiel bei Frauen deutlicher aus. Ob dieser Geschlechtsunterschied bestandhat, soll weiter geprüft werden.
Die Behandlungsdauer von 43 Tagen ist kurz. Die Studie ersetzt keine Langzeitdaten zu Sexualität und Depression. Der Hersteller finanzierte die Auswertung. Ob der Effekt in der Versorgung außerhalb der Prüfung gleich ausfällt, ist offen. Therapiewechsel bleiben eine ärztliche Entscheidung.
