Pockenviren nutzen einzigartigen molekularen Ringmechanismus für ihre Genexpression
Pockenviren (Poxviridae) verfolgen bei ihrer Vermehrung eine ungewöhnliche Strategie: Im Gegensatz zu den meisten DNA-Viren dringen sie nicht in den Zellkern ein, sondern bleiben im Zytoplasma und bringen ihre eigene hoch spezialisierte Transkriptionsmaschinerie mit. Eine neue Studie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, nun in Nature Communications veröffentlicht, entschlüsselt erstmals auf atomarer Ebene, wie der virale Faktor VITF-3 diesen Prozess präzise steuert. Das Team um Utz Fischer, Inhaber des Lehrstuhls für Biochemie I, untersuchte den Modellvirus Vaccinia und zeigte, dass VITF-3 als molekulare Klemme wirkt. Das Protein besteht aus zwei Untereinheiten, die einen stabil geschlossenen Ring bilden. Allein kann VITF-3 nicht an DNA binden – der Ring ist zu fest verschlossen. Erst der Kontakt mit der viralen RNA-Polymerase (vRNAP) öffnet den Ring und setzt ihn wie eine Manschette exakt um die DNA. Diese Verankerung bricht die DNA-Doppelhelix an einer Stelle um etwa 90…
