Seit dem 7. Oktober 2023 veröffentlicht das Gesundheitsministerium in Gaza (Ministry of Health, MoH) fortlaufend Zahlen zu Toten und Verletzten im Gazastreifen. Die Vereinten Nationen (OCHA, WHO, UNICEF) und der Health Cluster übernehmen diese Angaben regelmäßig und kennzeichnen sie als Quelle des Ministeriums. Eine vollständige unabhängige Überprüfung aller Einzelfälle durch die UN liegt nicht vor. Die Zahlen erfassen unmittelbare kriegsbedingte Todesfälle und Verletzungen; indirekte Todesfälle durch Krankheit, Unterernährung oder fehlende Behandlung sind gesondert dokumentiert und in den Totenzahlen in der Regel nicht enthalten.
Stand Ende September 2026 liegen die vom MoH gemeldeten kumulativen Werte bei rund 73.900 Toten und rund 175.000 Verletzten. Einzelne Tagesmeldungen vom 19. bis 22. September 2026 nannten 73.910 bis 73.919 Tote und 174.914 bis 174.977 Verletzte. Die Zahlen steigen weiter, unter anderem durch Bergung von Leichen aus Trümmern und nachträgliche Identifizierungen.
Das MoH unterscheidet in den Gesamttotenzahlen nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern. Benannte und identifizierte Tote (Stand 31. Dezember 2025: 71.444 von damals gemeldeten höheren Gesamtzahlen) wurden demografisch aufgeschlüsselt: 21.283 Kinder, 10.983 Frauen, 5.100 ältere Menschen und 34.078 Männer. Spätere Auswertungen der identifizierten Fälle und UNICEF-Angaben nennen für Kinder getötete Werte im Bereich von etwa 20.179 bis mindestens 21.700 (Stand Juni 2026).
Kinder: Getötete, Verletzte und dauerhafte Schäden
UNICEF und UN-Berichte fassen die Lage der Kinder so zusammen: Mehr als 64.000 Kinder wurden seit Oktober 2023 als getötet oder verletzt gemeldet. Eine UNICEF-Angabe vom September 2026 nennt mindestens 21.700 getötete Kinder (Stand 30. Juni 2026) und rund 45.000 verletzte Kinder, darunter mehr als 11.000 mit lebensverändernden Verletzungen. Eine UN-Untersuchungskommission nannte im Juni 2026 mindestens 20.179 getötete und mehr als 44.000 verletzte Kinder.
Die WHO schätzte im Mai 2026, dass über 43.000 der seit Oktober 2023 Verletzten potenziell lebensverändernde Schäden haben; etwa ein Viertel davon seien Kinder. Dazu zählen Amputationen, schwere Verbrennungen, Rückenmarksverletzungen und Schädel-Hirn-Traumata. Schätzungen zu Amputationen insgesamt liegen bei über 5.000. Rehabilitationskapazitäten sind stark eingeschränkt; kein Rehabilitationszentrum arbeitete Mitte 2026 mit voller Kapazität.
Weitere dokumentierte Folgen für Kinder: UNICEF und Partner berichten von Zehntausenden Kindern, die ein oder beide Elternteile verloren haben oder von ihnen getrennt wurden (frühere UN-Schätzungen lagen bei rund 17.000). Über eine Million Kinder gelten als psychisch belastet und benötigen psychosoziale Unterstützung. Hunderte Kinder stehen auf Listen für medizinische Evakuierung, weil spezialisierte Behandlungen im Gazastreifen nicht verfügbar sind.
Seit der Ankündigung eines Waffenstillstands am 10./11. Oktober 2025 hat das MoH zusätzlich über 1.380 Tote und rund 4.800 Verletzte gemeldet (Stand Mitte/Ende September 2026). UNICEF berichtete im Juni 2026 von 265 getöteten Kindern in den ersten acht Monaten nach der Waffenstillstandserklärung, im Durchschnitt etwa ein Kind pro Tag in diesem Zeitraum; spätere Lageberichte von OCHA und UNICEF dokumentieren weitere Kindestote und -verletzte durch Luftangriffe, Beschuss und Gebäudeeinstürze.
Gesundheitsversorgung: Angriffe, Funktionsfähigkeit, Personal
Die WHO dokumentierte bis Juni 2026 mindestens 971 Angriffe auf das Gesundheitswesen im Gazastreifen. Betroffen waren demnach mindestens 804 Gesundheitseinrichtungen (Krankenhäuser und Kliniken) sowie 268 Krankenwagen. Alle 36 Krankenhäuser wurden beschädigt. Mitte 2026 waren 19 der 36 Krankenhäuser nur teilweise funktionsfähig; keines war vollständig wiederhergestellt. Die Bettenkapazität lag bei rund 2.200 stationären Betten und 107 Intensivbetten für eine Bevölkerung von über zwei Millionen Menschen.
Mehr als 1.700 Beschäftigte des Gesundheitswesens wurden nach Angaben des MoH und UN-Berichten getötet. Weitere wurden verletzt oder festgenommen. Medizinische Notfallteams (Emergency Medical Teams) sind im Einsatz, können den Bedarf jedoch nicht decken. Es fehlen Medikamente, Ersatzteile, Diagnostikgeräte und Verbrauchsmaterial. Zu verschiedenen Zeitpunkten 2025/2026 waren 44 bis über 50 Prozent der essenziellen Arzneimittel nicht vorrätig. Dialyse, Onkologie, Chirurgie, Intensivmedizin und Rehabilitation sind stark eingeschränkt.
Über 18.500 kritisch kranke Patienten warteten nach UN-Angaben auf Evakuierung zur lebensrettenden Behandlung außerhalb Gazas. Das MoH hat in eigenen Berichten Todesfälle von Patienten genannt, die auf eine Evakuierung warteten, darunter Kinder. Evakuierungen über Rafah und Kerem Shalom finden statt, bleiben aber zahlenmäßig begrenzt.
Hinweise zur Datenlage
Die Totenzahlen des MoH basieren auf Krankenhausaufzeichnungen und ergänzenden Meldungen, wenn das System überlastet ist. Benannte Identifizierungen liegen hinter den kumulativen Totenzahlen zurück. Leichen unter Trümmern und nicht identifizierte Tote sind in den Tageszahlen teilweise noch nicht enthalten; Nachmeldungen kommen regelmäßig vor. Analysen (unter anderem in Fachzeitschriften wie The Lancet zitiert) haben sowohl die demografische Zusammensetzung der identifizierten Toten als plausibel bewertet als auch auf eine mögliche Untererfassung der Gesamttodesfälle hingewiesen. Die UN übernimmt die MoH-Zahlen mit Quellenangabe und ohne eigene vollständige Verifikation jedes Falls.
Die hier genannten Werte gelten für den Stand der öffentlich zugänglichen Berichte Mitte bis Ende September 2026. Tägliche Updates des MoH und der UN-Lageberichte können die kumulativen Zahlen weiter verändern.
